Spielberichte
31. Spieltag, 28.04.2019

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Erzgebirgsstadion Aue, Sonntag 28. April 2019
(Kick off 13:30 Uhr)


Nazarov schießt Aue ins Glück


„Wenn ich auf dem Platz stehe, nehme ich immer den Ball“, schilderte Aues Siegtorschütze Dimitrij Nazarov jene Augenblicke im Auer Erzgebirgsstadion in der Nachspielzeit am Sonntag-Nachmittag um 15.21 Uhr. „Natürlich kennt auch Riemann meine bevorzugte linke Ecke. Deshalb habe ich auf ihm geschaut und mich im letzten Augenblick umentschieden“, beschrieb „Dima“ seine Gedankengänge vor dem siegbringenden Schuss ins untere rechte Eck zum umjubelten 3-2 Sieg über den VfL Bochum. Damit hat Nazarov, seitdem er in Aue spielt, von seinen bisherigen acht Elfmetern alle acht verwandelt. In Aues Zweitliga Historie hat Jörg Emmerich noch knapp die Nase vorn. Von seinen 10 Elfern verwandelte er neun. Damit beendete Erzgebirge Aue seine Negativserie von zuletzt fünf Spielen ohne Sieg und hat sich im Abstiegskampf der 2. Bundesliga wieder Luft verschafft. Die Veilchen haben nun drei Spieltage vor Schluss ein Polster von sechs Punkten auf den Relegationsplatz 16.
Nachdem VfL-Verteidiger Hoogland in einer belebten Anfangsphase die erste

Chance per Kopf ausließ (6./Männel hält), gingen die Hausherren in Führung: Am Ende einer tollen Kombination über Hochscheidt und Testroet drehte sich Zulechner um den letzten Abwehrspieler Baumgartner und versenkte den Ball trocken aus 18 Metern genau im rechten unteren Eck (7.). Jetzt hatte Aue mächtig Oberwasser und war spielfreudig. Rizzuto verpasste das kurze Eck mit seinem wuchtigen Rechtsschuss nur knapp (14.). Auf der Gegenseite zwang Tesche (20.) Männel aus der Distanz zu einer Parade. Den Schuß parierte er jedoch ohne Probleme. Dann musste Torschütze Zulechner angeschlagen vorzeitig ausgewechselt werden (23.). Was Fandrich (25./drüber) und Iyoha (36./Riemann hält) daraufhin noch nicht gelingen wollte, besorgte Goalgetter Testroet nach zuletzt sechs Spielen ohne eigenen Torerfolg: Hochscheidt schaltete nach einem Ballverlust von Tesche schnell und legte Testroet den Ball genau in den Lauf. Nach ein paar Schritten zog er aus 20 Metern ab. Der Ball schlug halbhoch und über die Hände von Riemann zum 2-0 ein (38.). Hochscheidt verpaßt in der 43. Minute einen Flanke von Iyoha mit dem Kopf. Das wäre eine Vorentscheidung gewesen. Aber auch so befand sich die Meyer-Truppe auf Kurs souveräner Heimsieg, ehe Bochums Hinterseer kurz vor der Pause auf 2-1 verkürzen konnte. Nach einer gefühlvollen Hereingabe von Pantovic fast von der Grundlinie, verkürzte der Österreicher aus knapp fünf Metern und völlig allein gelassen per Kopf (44.). Das 18. Saisontor von Hinterseer ließ die Hoffnung der Gäste wieder aufleben kurz vor der Pause.

Nach dem Wechsel lieferten sich die Teams einen offenen Schlagabtausch, hatten ihre Chancen, wobei Bochum zunehmend drückte und dominierte. Lee hätte schon fast in der 47. Spielminute für den Ausgleich sorgen können, aber sein feiner Schlenzer touchierte nur das Quergebälk von Männel. Auf der Gegenseite nahm Fandrich (48.) übermotiviert den einschußbereiten Testroet den Ball weg um wenig später gleich zweimal kein Schußglück zu haben (50./51.). Aues mutiger Angriffsfußball wurde auch nicht beim Solo über den halben Platz von Rizzuto (55.) belohnt. Und Iyoha war bei seinen Versuchen zu unkonzentriert (66./73.). Bochum blieb immer dran und spielte mit fortflaufender Spielzeit ein Alles oder Nichts. Männel mußte schon Kopf und Kragen riskieren als Eisfeld plötzlich vor ihm auftauchte (74.). Kurz darauf ließ sich Testroet gegen Nazarov auswechseln, der Akku war leer. Und dann passierte es doch. Nach einer buttwerweichen Eingabe von der linken Seite von Bandowski, steigt der erst kurz zuvor eingewechselte Ganvoula hoch und drückt den Ball mit dem Kopf in die Maschen. 2-2 nach 76 Minuten. Aues Verteidiger Kral, im Rücken von Ganvoula, hatte keine Möglichkeit an den Ball zu kommen. Der VfL wirkte mit dem Momentum auf seiner Seite dem fünften Treffer der Partie näher, Aue brachte nach vorne lange Zeit nicht mehr viel auf den Rasen. Bis Hochscheidt zur Grundlinie durchkam, zurücklegte, aber Nazarov den Ball nicht über die Torlinie drücken konnte (90.). Da fehlten nur Zentimeter. Nachdem Nazarov kurz darauf quer zum Strafraum läuft und den Moment zum Schuß nicht findet, raffen sich die Veilchen noch einmal zu einem Angriff auf. Riese bekommt den Ball nicht unter Kontrolle ein Bochumer stochert dazwischen und der Ball kommt direkt zu Iyoha. Der dreht sich geschickt um Hoogland und hat dann freie Bahn Richtung Strafraum und Tor. Hoogland zieht im Laufduell mit Iyoha den Kürzeren und hält ihm mit beiden Händen am Trikot. Das Ganze passiert knapp vor der Strafraumkante. Iyoha läuft dann noch ein paar Schritte in den Strafraum und fällt. Schiedsrichter Kempkes zeigt auf den Punkt (90. + 3). Aus elf Metern besorgte Nazarov den umjubelten Siegtreffer (90.+ 4). Die Partie wird nicht mehr angepfiffen. Das Stadion ertrinkt im Jubelsturm. (Burg)

Pressekonferenz in Aue. Foto: Burg

Trainerstimmen
Robin Dutt (Bochum): „Glückwunsch an Aue zum Sieg. Aue hat uns zum Spielbeginn etwas den Ballbesitz überlassen, wir haben im Ballbesitz sehr viele Unkonzentriertheiten gehabt. Vor dem 1-0 haben wir unnötigerweise die letzte Reihe aufgemacht, nach dem langen Ball kriegen wir das Tor. Das 2-0 war natürlich ein Geschenk. Es war ein leichter Fehler im Spielaufbau, so liegen wir mit zwei Toren zurück. Die Stimmung hier war dementsprechend, wir sind aber durch den Anschlusstreffer im Spiel geblieben. Das war eine gute Situation über die rechte Seite. In der zweiten Halbzeit haben wir das Heft in die Hand genommen, haben immer mehr Druck gemacht und Ball und Gegner laufen lassen. Wir hatten Glück mit unseren Einwechslungen, nach der Flanke von Jannik Bandowski hat Silvère Ganvoula das Tor gemacht. Was dann am Schluss passiert ist, ist so langsam aber sicher nicht mehr zu akzeptieren. Es war nicht das erste Mal, es wiederholt sich immer wieder. Das dürfen wir so auf Dauer nicht durchgehen lassen, das müssen wir grundsätzlich ändern. Wenn man hier mit solch einem Aufwand zurück kommt und ausgleicht, kann es nicht sein, dass man in der Schlussminute so einen leichten Fehler macht und einen Elfmeter verursacht.“

Daniel Meyer (Aue): „Es war ein wildes Spiel, wir sind nicht so gut reingekommen wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben durch das Erfolgserlebnis des 1-0 ins Spiel hereingefunden. Nach dem Nackenschlag, dass Philipp Zulechner verletzt den Platz verlassen musste, mussten wir uns etwas neu sortieren. Wir hatten heute ein etwas atypisches Muster, die Bälle in die letzte Reihe reinzuspielen. Es war einfach strukturiert, wir sind aber zu Torabschlüssen und zum 2-0 gekommen. Danach waren wir aus meiner Sicht wieder zu euphorisch, haben zu früh geschossen und mit zu vielen Leuten angegriffen. So haben wir die Balance verloren, das wird sofort bestraft. So bekommen wir zu einem katastrophalen Zeitpunkt den Anschlusstreffer. In der zweiten Halbzeit wollten wir aufs dritte Tor spielen, Bochum war dann aber besser drin und wir hatten nicht mehr so den Zugriff. Trotzdem haben wir es über weite Strecken gut verteidigen können, wir hatten viele ordentliche Umschaltaktionen. Da haben wir zu viel liegen gelassen. Das zweite Gegentor war nicht einfach zu verkraften, wir sind vorher viel gelaufen. Das Momentum lag dann beim Gegner, wir haben eine Weile gebraucht um das zu verarbeiten. Zum Glück konnten wir dann in der Nachspielzeit die Möglichkeit nutzen, die sich uns geboten hat. Es war heute sehr wichtig für uns, in dieser Phase geht es nur um die nackten Punkte und die tun uns heute sehr gut.“

Aue (Lila/Lila/Lila): Männel - Rizzuto, Kalig, Breitkreuz, Kral - Wydra - Fandrich, Riese - Hochscheidt - Testroet (75. Nazarov), Zulechner (23. Iyoha)

Bochum: Riemann - Baumgartner (74. Ganvoula), Bella Kotchap, Hoogland, Kokovas (63. Bandowski) - Tesche, Losilla - Pantovic, Saglam (58. Eisfeld), Lee - Hinterseer

Schiedsrichter: Kempkes (Thür)

Zuschauer: 10.150

Tore: 1-0 Zulechner (6.), 2-0 Testroet (38.), 2-1 Hinterseer (44.), 2-2 Ganvoula (76.), 3-2 Nazarov (90.+ 4/Foul 11m)

Reservebank Aue: Jendrusch – Baumgart, Krüger, Samson, Herrmann

Gelbe Karten: Wydra (64.), Rizzuto (82.) / Baumgartner (60.), Hoogland (90. +3)