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Auer Fußball historisch - Mai 1978 * Wismut Aue gelingt vorzeitig der Klassenerhalt

Am 6. Mai 1978 kam es am 22. Spieltag in der DDR Oberliga 1977/78 zum Derby der beiden Wismut Mannschaften im Geraer Stadion der Freundschaft. Gegen Gastgeber Wismut Gera gelingt Aue an diesen Tag durch zwei beherzte Aktionen von Holger Erler (62.) und Konrad Schaller (88.) der erste Auswärtssieg (2-0) der Saison auf fremden Platz. Ein insgesamt glanzloser Sieg ohne Höhepunkte vor nur 2.600 Zuschauern. In diesen Spiel stand nach seiner absolvierten NVA Zeit auch Harald Mothes wieder im lila-weißen Dreß auf dem Platz und spielte in den letzten fünf Punktspielen der Saison noch mit.

Wismut contra Wismut. Gera schaffte in der Oberliga-Saison 1977/78 keinen Heimsieg. Foto: Archiv W. Schwarzer

Die Gerarer hatten sich sich zu diesen Zeitpunkt schon längst mit dem Abstieg aus der Oberliga abgefunden. Erstaunlich war, im Gegensatz zu Heute, dass Geras Trainer Dietmar Pohl die so bittere Saison bis zum Ende durchstandt. Pohl, der einstige Abwehr-Haudegen in Auer Diensten (267 Punktspiele), war nicht zu beneiden. Zwar führte er in der Saison 1976/77, in seiner ersten Trainerstation, Wismut Gera auf Anhieb in die Oberliga, doch dann brachen sie nahezu sämtliche Minusrekorde. Nie zuvor kommt bis dato eine Oberliga-Mannschaft auf nur sechs Punkte. Nur Motor Suhl unterbot 1984/85 mit fünf Punkten diesen „Rekord“. Nur in den ersten fünf Spielrunden liegt Gera nicht auf einen der beiden Abstiegsränge. Als einziger Mannschaft gelingt den Ostthüringern kein Heimsieg. Der einzige Saisonsieg glückt ausgerechnet beim Hinspiel mit 2-1 in Aue am 9. Spieltag. Danach folgt eine Negativserie ab dem 10. Spieltag mit 1:33 Punkten die logischerweise mit dem Abstieg enden mußte. Nach diesen Desaster blieb das DDR-Oberliga Buch für die Orange-Schwarzen für immer geschlossen.


Die damals schon Abstiegserprobten Fußballer aus Aue sprangen nach diesen Sieg auf einen komfortablen achten Tabellenplatz, den sie im bisherigen Saisonverlauf noch nie inne hatten. Nach Heimsiegen zuvor über den 1. FC Union Berlin (3-2) und im Prestigederby gegen den FC Karl-Marx-Stadt (1-0), sowie einem 0-0 in Erfurt gab dieser Sieg in Gera natürlich weiteren Auftrieb. Schon am nächsten Spieltag konnte die Wismut Mannschaft von Trainer Manfred Fuchs gegen den frischengebackenen FDGB-Pokalsieger 1.FC Magdeburg (zwei Wochen zuvor ein 1-0 Endspielsieg gegen Dynamo Dresden) den vorzeitigen Klassenerhalt feiern. Dafür reichte ein torloses Remis im Lößnitztal. Schon im Hinspiel im Magdeburger Ernst-Grube Stadion trotzte man den heimstarken 1.FCM um Sparwasser, Streich, Zapf und Pommerenke ein beachtliches 0-0 ab. Magdeburg war damals in den 1970er Jahren eine Spitzenmannschaft und absolvierte 1977/78 beachtliche 42 Pflichtspiele. Neben den obligatorischen 26 Punktspielen waren das noch 8 Europapokalspiele und 8 FDGB Pokalspiele.


Die moralisch intakte und in Abstiegsfragen strapazierbare Auer Mannschaft war wieder mal am Ziel ihrer Wünsche und das drei Runden vor Ultimo. In der Spielzeit zuvor gelang dies erst am letzten Spieltag mit einem 1-1 in Erfurt. Wie schon 1976/77 (damals nur vier Punkte aus den ersten acht Spielen) verpatzte man den Start mit nur 1:7 Punkten aus den ersten vier Spielen und fand sich auf den letzten Platz wieder. Aber Aue bewahrte sich seine Unverdrossenheit und belegte nach der Hinrunde mit 10:16 Punkten einen Mittelfeldplatz (10.). In der Rückrunde kamen 12 Zähler hinzu die dann schlußendlich in einen 11. Platz in der Endabrechnung mündeten. Aues Trainer Manfred Fuchs (39 Jahre) war mit der Tabellenplatzierung nicht ganz zufrieden. „Nach dem 6. Platz vor zwei Jahren und dem 10. Platz in der vorigen Saison nun der 11. Rang. Wir hatten eigentlich vor, uns mehr im Mittelfeld der Tabelle festzusetzen.“ Für den ehemaligen Torwart von Wismut Aue (115 Punktspiele) war es damals seine erste Station als Trainer. Am 1. Juli 1977 hatte er das Amt von Bringfried Müller übernommen. In seinem ersten Oberliga-Trainerjahr veränderte er sein Spieleraufgebot nur unwesentlich. Die Routine der Stammelf mit einem Durchschnittsalter von über 28 Jahren war dann einer der Punkte, warum die weitere Wismut Oberliga Zugehörigkeit auch im 27. Jahr in Folge gefeiert werden konnte. Ein bißchen wohl etwas zu heftig, denn die Partien der letzten drei Meisterschafts Runden gingen allesamt verloren bei 0-12 Toren. Auch damals gab es schon Licht und Schatten das sich ständig abwechselte. Verschmerzen mußte man 1978 auch den Abschied einer langjährigen Auer Stütze. Am Ende seiner langjährigen und erfolgreichen Laufbahn mit insgesamt 13-jähriger Zugehörigkeit zu Wismut Aue traf es den damals 34-jährigen Konrad Schaller empfindlich. Er mußte mit einem Meniskusabriß ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der unbändige Ehrgeiz, sich von Spiel zu Spiel ganz in den Dienst der Mannschaft zu stellen, war typisch für ihn, ebenso seine Einsatzstärke. Der Mittelfeldspieler mit strategischen Fähigkeiten und der beneidenswerten Anlage, eine ganze Elf nach vorn reißen zu können, kämpfte zugleich mit unglaublicher Zähigkeit um jeden Ball. Mit 5 erzielten Saisontoren in 23 eingesetzten Spielen war er in seiner letzten Oberligasaison Wismuts zweitbester Torschütze nach Holger Erler der 7-mal traf. Konny stand insgesamt in 329 Pflichtspielen für die Auer Farben auf dem Platz und starb am 24. Februar 2017 im Alter von 73 Jahren. (Burg)

Aues Kapitän Lothar Schmiedel (links) bestritt in der Saison 1977/78 alle 26 Punktspiele für Wismut Aue. Hier in einem Zweikampf mit dem Zwickauer Werner Bräutigam. Nach den zwei Auftaktniederlagen in Dresden und Frankfurt/Oder brachte das Derby am 3. Spieltag Ende August 1977 mit 18.000 Zuschauern den höchsten Heimzuspruch der Saison. Foto: Frank Kruczynski

Spitzenmannschaften hatten es in der Saison 1977/78 im Auer Lößnitztal fast immer schwer. Nach Siegen gegen Lok Leipzig (4-2) und Jena (1-0) sowie einem Remis gegen Dresden (1-1) brachte man am 13. Mai 1978 auch den Pokalsieger und Meisterschaftsanwärter 1. FC Magdeburg an den Rand einer Niederlage (0-0). Foto: Frank Kruczynski





Geschrieben von Burg am 06.05.2018, 10:14   (43x gelesen)