|
FC Erzgebirge Aue: Jörg Weißflog - Jens Möckel (7. Milan Havlik), Volker Schmidt, Enrico Barth - Frank Böttger, Ronald Färber, Thorsten Pöhland, Ronny Thielemann - Jan Schmidt, Thomas Pfüller (46. Jörg Leonhardt), Maik Faßl; Trainer: Lutz Lindemann
Bischofswerdaer FV: René Groß - Andreas Schmidt, Falk Kunze, Fred Bank, Steffen Schmidt, Mario Kleditzsch - Tilo Kosmetschke, Tino Gottlöber, Mario Kreibich, Antoni Jelen - Peter Pordzik (80. Miroslav Franek); Trainer: Jörg Bär
Tore: 0:1 Tilo Kosmetschke (20.); 0:2 Antoni Jelen (90.)
Schiedsrichter: Markus Scheibel (Calbe)
Zuschauer: 900
Gelbe Karte: Frank Böttger, Maik Faßl / Fred Bank, Steffen Schmidt, Antoni Jelen
Das war nicht die Woche des FCE
Das war nicht die Woche des FC Erzgebirge Aue. Innerhalb von vier Tagen mußten die Lindemann-Schützlinge zwei Punktspielniederlagen hinnehmen. Der Dresdner 1:5-Schlappe folgte am Sonntag ein 0:2 gegen die "Schiebocker" aus der Lausitz.
Im Spiel gegen den Staffelmitfavoriten Bischofswerda wurde erneut deutlich, daß Aue in seiner jetzigen Besetzung keine Spitzenmannschaft der Amateuroberliga ist. Die guten Ergebnisse in vergangenen Spielen wurden immer mit vollem Einsatzwillen erreicht. So einen Kraftakt kann keine Mannschaft eine gesamte Saison durchstehen. Deshalb forderte Trainer Lutz Lindemann in der Pressekonferenz nach Spielschluß sinnvolle Spieleralternativen für die wichtige Saison 1993/94. FCE-Präsident Uwe Leonhardt versprach solche, natürlich im Rahmen der finanziellen Auer Möglichkeiten.
Die Begegnung gegen den Tabellendritten, der sich noch berechtigte Hoffnungen auf den Staffelsieg macht und in Aue gewinnen mußte, begann zerfahren. Der FC Erzgebirge wirkte nach den vielen "Gipfelbesteigungen" der letzten Wochen müde. Die Mannschaft scheint in einer Talsohle angelangt. Bereits nach drei Spielminuten erhielt Maik Faßl vom wenig überzeugenden Schiedsrichter Marcus Scheibel aus Calbe eine nicht berechtigte gelbe Karte. Vier Minuten später mußte Jens Möckel wegen einer Handverletzung den Platz verlassen. Für ihn kam Milan Havlik ins Spiel. So turbulent, wie die Partie begann, setzte sie sich fort. Das Spiel fand nur zwischen beiden Strafräumen statt. Die erste Chance nutzten die Gäste eiskalt zum Führungstreffer. Tilo Kosmetschke schmetterte einen Freistoß aus 20 Meter Entfernung unhaltbar für Jörg Weißflog ins linke Dreiangel.
Die erste Auer Möglichkeit besaß Jan Schmidt nach einer halben Stunde Spielzeit. Nach einer Flanke von Milan Havlik köpfte Schmidt das Leder nur knapp am Gästetor vorbei. Bis zum Halbzeitpfiff blieb der FC Erzgebirge zwar die optisch überlegene Mannschaft, Zählbares erarbeitete sich die Lindemann-Truppe aber nicht. Zu umständlich agierten die Spieler, vielen Aktionen fehlte der letzte Biß. Da die Gäste in den ersten 45 Minuten auch nicht wie ein möglicher Staffelsieger spielten, verflachte die Partie zunehmend.
Mit Beginn der zweiten Halbzeit spielte Jörg Leonhardt für Thomas Pfüller. Typisch für die zerfahrene Auer Spielweise die Situation in der 52. Spielminute. Maik Faßl verliert im Mittelfeld einen Ball an Peter Pordzig. Der läuft allein auf Weißflog zu. Libero Volker Schmidt kann den durchgebrochenen Gästespieler nur durch ein Foul (10 Minuten Zeitstrafe dafür) am Einschuß hindern. Die Gäste- kamen danach. immer besser ins-Spiel. Eine zweite: Zehn-Minuten-Zeitstrafe für Aue (Enrico Barth/65.) ließ Bischofswerda noch stärker werden. Chancen für Fred Bank (59.), Antoni Jelen (68.), Mario Kreibich (78.), Steffen Schmidt (80.) und Mario Kleditzsch (81.) zeugten von der überlegenen Spielweise der Gäste nach dem Pausentee. In den letzten beiden Spielminuten gab Jörg Weißflog seine Torwartposition auf. Es half nichts. Im Gegenteil: Kurz vor Spielschluß schafften die Lausitzer durch Antoni Jelen noch das 2:0. Am Ende ein verdienter Sieg des Favoriten, der sich damit seine Aufstiegschance in die zweite Bundesliga erhielt.
Beim FC Erzgebirge Aue erreichte neben Torwart Jörg Weißflog nur Libero Volker Schmidt Normalform - zu wenig, um einer Spitzenmannschaft der Amateuroberliga Paroli zu bieten. Bleibt nur zu wünschen, daß die Talfahrt nicht zu lang anhält. Denn mit den Begegnungen am Mittwoch beim Chemnitzer SV und am Samstag bei Sachsen Leipzig warten die nächsten schweren Brocken auf das Auer Team. RL, Freie Presse, 19.04.1993
|