Saisonstatistiken des FC Erzgebirge Aue

Oberliga Nordost, Staffel Süd 1992/93

Spielbericht

21. Spieltag - Samstag, 13.02.1993 - 14:00

FC Erzgebirge Aue - Rot-Weiß Erfurt 1:3 (0:2)

FC Erzgebirge Aue: Jörg Weißflog - Milan Havlik, Volker Schmidt, Enrico Barth - Ronald Färber, Thorsten Pöhland (26. Sylvio Reich), Frank Böttger, Ronny Thielemann - Jan Schmidt, Maik Faßl, Jörg Leonhardt (46. Thomas Pfüller); Trainer: Lutz Lindemann

Rot-Weiß Erfurt: Steffen Kraus - Frank Dünger, Ronald Baumbach, Guido Gorges, Nico Scheller - Zbigniew Fabinski, Uwe Abel, Heiko Cramer, Hagen Schmidt - Marco Weißhaupt, Jürgen Heun; Trainer: Klaus Goldbach

Tore: 0:1 Uwe Abel (4.); 0:2 Jürgen Heun (7.); 1:2 Thomas Pfüller (74.); 1:3 Heiko Cramer (80.)

Schiedsrichter: Peter Augar (Berlin)

Zuschauer: 2000

Gelbe Karte: Frank Böttger, Ronny Thielemann / Guido Gorges, Marco Weißhaupt

Erste FCE-Heimniederlage

Das 71. Punktspielduell zwischen Aue und Erfurt stand unter dem Motto: "Gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit". Noch vor Spielbeginn wurden der polnische Spieler Zbigniew Fabinski vom Gastverein und der Tscheche Milan Havlik sowie die zum Probetraining in Aue weilen- den Russen Dimitri Tschesnokow und Viatchesslav Medvedev vom FC Erzgebirge mit Blumen und Sachgeschenken geehrt, die von den Präsidiumsmitgliedern Helge Leonhardt und Martin Henselin überreicht wurden.

Für den Platzbesitzer stand die Aufgabe, gegen den Staffelfavoriten Erfurt den Heimnimbus - ohne Niederlage in heimischen Gefilden - mit einem angestrebten Punktgewinn zu wahren. Die Blumenstädter benötigen jeden Auswärtspunkt, um die Chancen zum Staffelsieg nicht zu gefährden.

Doch bereits die Anfangsminuten brachten eine gewisse Vorentscheidung. Während Erfurt mit konzentriertem Spiel nach vorn sofort die Initiative übernahm, kam Aue sichtlich schwer mit den Bodenverhältnissen zurecht. Mangelndes Stehvermögen im wahrsten Sinne des Wortes, gepaart mit zuviel Abspielfehlern bereits im Abwehrbereich, erzeugten sofort übermäßigen Druck auf das Gastgebertor. So fiel bereits in der 4. Spielminute das Führungstor für Erfurt, als Abel aus halblinker Position urplötzlich aus 18 Meter Entfernung abzog und damit nicht zuletzt auch Weißflog überraschte, der den Aufsetzerball passieren lassen mußte. Vier Minuten später folgte dann bereits der zweite Erfurter Streich, als der agile Gästestürmer Weißhaupt mit einem Musterpaß Heun freispielte. Der setzte seine ganze Routine ein. So gelang es ihm, die engere Abwehr einschließlich Weißflog zu überlisten und unbedrängt ins leere Tor einzuschießen. Kurze Zeit später hatte wiederum Heun die große Chance zu einem weiteren Treffer. Doch diesmal blieb Weißflog dank guter Fußabwehr der Sieger.

Erst nach zwanzig Minuten gelang es den Platzbesitzern, sich vom Gästedruck zu befreien. Nachdem Jan Schmidt in der 12. Minute zwischenzeitlich mit einem Kopfball, der knapp das Erfurter Tor verfehlte, die erste Auer Chance erspielte, sorgte Faßl in der 22. Minute, ebenfalls per Kopf, für eine erneute gute Gastgeberaktion. Eine Minute später zeichnete Volker Schmidt mit einem 30-Meter-Fernschuß für die beste Auer Chance. Doch mit toller Reaktion konnte Erfurts Torhüter Kraus das Anschlußtor verhindern. Aufregung gab es kurz danach, als ein klares Handspiel von Weißhaupt im eigenen Strafraum vom nicht immer überzeugenden Schiedsrichter großzügig übersehen wurde. Derselbe Gästestürmer hatte bezeichnenderweise im Gegenzug die Riesenchance zum dritten Treffer, den Weißflog im letzten Moment mit toller Reaktion vereitelte.

Erneute Chancen durch die Auer Faßl und Färber dokumentierten zwar das Bemühen des Gastgebers um eine Resultatsverbesserung. Sie zeigten aber auch deutlich, daß im Spiel nach vorn mit Jan Schmidt als einzigem wirkungsvollen Stürmer unübersehbare Nachteile auf Auer Seite vorherrschten. Mit dem Einsatz von Pfüller in der zweiten Halbzeit wollte man den Druck auf das Erfurter Tor erhöhen. So erreichte man zwar Feldausgeglichenheit, aber die Torgefährlichkeit hielt sich in Grenzen. Kämpferisch gab man zu Beginn der zweiten Spielhälfte alles, konnte aber spielerische Nachteile nicht kompensieren. Erfurt verlegte sich aufs Kontern (Riesenchance durch Abel in der 58. Minute) und schien einen ungefährdeten Sieg anzusteuern. Doch in der 74. Spielminute war es wiederum Pfüller, der wie in der Vorwoche seine Einwechslung mit einem sehenswerten Tor rechtfertigte. Sein 15-Meter-Volleyschuß brachte den Anschlußtreffer, der aber zu spät fiel. Längst war der Kräfteverschleiß der jungen Auer Elf unübersehbar. So konnte Erfurt nochmals anziehen und erzielte fünf Minuten später den dritten Treffer durch Cramer zum sicher verdienten Auswärtserfolg, der zwischenzeitlich die Tabellenspitze einbringt. Jürgen Ullmann, Freie Presse, 15.02.1993

Entscheidung durch Blitzstart der Gäste

In der Fußball-Amateuroberliga Süd mußten die Auer gegen den alten DDR-Oberligarivalen Erfurt mit dem 1:3-(0:2) die erste Heimniederlage der laufenden Saison hinnehmen. Auf glattem Rasen kamen die Erzgebirgler erst nach dem schnellen 0:2 besser ins Spiel.

Vor der Begegnung gab es kleine Geschenke für die Ausländer in den Reihen beider Mannschaften. Es sollte ein Signal gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit von Seiten des Auer Vorstandes und einiger Sponsoren gesetzt werden. Doch wie zum Hohn sorgten etwa 30 Erfurter Hooligans während des Spiels für chaotische Zustände auf den Zuschauertribünen. Dabei hätten sie eigentlich Grund zum Jubel gehabt, denn die Gäste führten schnell 2:0. Nach Abels 20-Meter-Schuß war es Routinier Heun, der Weißflog umspielte und das Leder im leeren Gehäuse unterbrachte. Heun (13.) und Weißhaupt (34.) hatten weitere Riesenchancen, doch Weißflog verhinderte Schlimmeres. Für Aue köpften Jan Schmidt (12.) und Maik Faßl (23.) übers Tor, Volker Schmidt (25.) und Kapitän Färber (43.) scheiterten am starken Kraus im Erfurter Kasten.

Schon nach 27 Minuten mußte Pöhland verletzt ausscheiden. Dafür kam Reich und enttäuschte einmal mehr auf der ganzen Linie. Mit Thomas Pfüller wurden die Gastgeber in der zweiten Halbzeit etwas druckvoller und kamen zum verdienten Anschlußtor. Doch zwölf Minuten vor Schluß nutzte Cramer einen der zahlreichen Deckungsfehler der Erzgebirgler zur Spielentscheidung.

Mit Verwunderung, auch von Erfurter Seite, mußte man zur Kenntnis nehmen, daß der NOFV den Ex-DDR-Oberliga-Schiedsrichter Stumpf aus Jena, der den ehemaligen BFC Dynamo oft bevorteilt hatte, diesmal zur Spielbeobachtung nach Aue schickte.

Trainerstimmen: Lutz Lindemann (Aue): Es war ein verdienter Erfurter Sieg. Meine Mannschaft hatte spielerische Nachteile, doch mit dem Ergebnis können wir leben.

Klaus Goldbach (Erfurt): Die schnelle Führung war für uns ein psychologisches Plus. Beide Mannschaften spielten leidenschaftlich, so daß man an alte Oberligazeiten erinnert wurde. Bernd Friedrich, Freie Presse, 15.02.1993