Saisonstatistiken des FC Erzgebirge Aue

Oberliga Nordost, Staffel Süd 1992/93

Spielbericht

20. Spieltag - Samstag, 06.02.1993 - 14:00

FC Erzgebirge Aue - FC Meißen 03 2:0 (1:0)

FC Erzgebirge Aue: Jörg Weißflog - Milan Havlik, Volker Schmidt, Enrico Barth - Ronald Färber, Thorsten Pöhland, Frank Böttger, Jörg Leonhardt (78. Sylvio Reich) - Jan Schmidt, Maik Faßl (63. Thomas Pfüller), Ronny Thielemann; Trainer: Lutz Lindemann

FC Meißen 03: Detlef Heinrich - Maik Kutsche, Jens May - Sven Huste, Ralf Illgen, Sirko Breiter (55. Steffen Diettrich), Rico Glaubitz, Tino Scholtissek, Jörg Prasse, Thomas Tillig - Bernd Wirtskowski; Trainer: Udo Schmuck

Tore: 1:0 Jan Schmidt (17.); 2:0 Thomas Pfüller (84.)

Schiedsrichter: Heiko Wittig (Löbnitz)

Zuschauer: 700

Gelbe Karte: Ronny Thielemann, Maik Faßl / Jens May

Kein Porzellan zerteppert

Etwa zehn Zentimeter Schneeboden wurden zum Gradmesser für den derzeitigen Fitneßzustand beider Mannschaften. Die Gäste aus Meißen, mit dem Abstiegsgespenst im Rücken, mußten auf die drei Stammspieler Schlicke, Mecke und Kutsche verzichten. Gastgeber Aue konnte bis auf den verletzten Möckel in Bestbesetzung auflaufen. Für den Platzbesitzer galt es, die Heimspielserie ohne Niederlage fortzusetzen, während die Elbestädter einen Punktgewinn anstrebten. Gute Spielkritiken aus der Vorwoche gegen Markkleeberg dienten als Empfehlung.

Bereits die dritte Spielminute brachte den Beweis, daß die Gäste keineswegs unterschätzt werden durften. Denn Weißflogs gewohnt guter Reaktion war es zu verdanken, daß Meißens agiler Stürmer Glaubitz in aussichtsreicher Situation scheiterte. So zeigte die Anfangsviertelstunde, daß der Gegner sein Ziel im Spiel nach vorn suchte und sich keiner defensiven Spieltaktik bediente. Das war auch der Grund, warum sich den Zuschauern trotz schwieriger Bodenverhältnisse ein durchaus interessantes Match mit Torchancen auf beiden Seiten bot.

Im Gegensatz zum Kontrahenten nutzte Aue bereits in der 17. Minute die erste klare Chance zum Führungstreffer. Wegbereiter zum 1:0 war der anfangs sehr einsatzstarke Thielemann, dessen Flanke von der Linksaußenposition die Gästeabwehr trotz mehrmaliger Ballberührung nicht aus der Gefahrenzone befördern konnte. Nutznießer der Meißener Abwehrschwäche war der erneut gefährlichste Auer Stürmer Jan Schmidt, der seit geraumer Zeit dem Erzgebirgsangriff neue Impulse verleiht. Sein beherzter Einsatz im gegnerischen Fünf-Meter-Raum wird mit dem 1:0 aus Nahdistanz belohnt. Zwei Minuten später ist es erneut Jan Schmidt, der per Kopf fast ein weiteres Tor erzielt. Doch diesmal ist der Ex-Zwickauer Torwart Heinrich auf dem Posten und kann einen weiteren Treffer verhindern.

Obwohl Aue feldüberlegen spielt, gelingt es trotz offensiven Spiels bis zur Halbzeit nicht, eine zwingende Torchance zu erarbeiten. Meißen bleibt durch Konter weiter gefährlich und hat in der 27. und 44. Spielminute jeweils die Chance zum Ausgleichstreffer durch ihren besten Stürmer, Thomas Tillig. Aber bei beiden Aktionen zeigte Weißflog mit reaktionsschnellen Paraden, daß er trotz Trainingsausfall nach überstandener Leistenoperation nach wie vor zu den Stützen seiner Elf gehört.

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte versuchte nun der Gast, mit verstärkter Offensive zum Ausgleich zu gelangen. In der 59. Minute mußte Havlik im letzten Moment einen durchgebrochenen Gästestürmer vom Ball trennen. Der Tscheche bewies damit, daß er durchaus als Alternative zu dem im Sturm aufgebotenen Manndecker Jan Schmidt gelten kann.

Nachdem die Meißener Elf zwischenzeitlich mit einem 16-Meter-Freistoß erneut zu einer guten Chance kam, läutete Jan Schmidt mit einem gekonnten Volleyschuß von der Strafraumgrenze, der leider an den Pfosten knallte, die Schlußoffensive für Aue ein. Wie schon des öfteren, blieb es dem eingewechselten Thomas. Pfüller vorenthalten, den spielentscheidenden Treffer zum 2:0 zu erzielen. In der 84. Minute kommt er im gegnerischen Strafraum in Ballbesitz, zögert in aussichtsreicher Schußposition. Doch er kann den Ball behaupten und schießt urplötzlich aus der Drehung ab, so daß das Leder aus Nahdistanz unter die Latte triff. Die Gäste, obwohl fast im Gegenzug erneut gefährlich vor dem Auer Tor aufkreuzend, mußten sich damit geschlagen geben.

Die Erzgebirgself bewies mit diesem verdienten Heimsieg, daß sie gut auf die Fortsetzung der Punktspielserie vorbereitet ist. Der wirkliche Gradmesser wird aber sicherlich mit dem Staffelfavoriten Erfurt am nächsten Wochenende erwartet. Physisch zeigte man auf diesem schweren Boden bereits ein wirksames Mittel, wie man einen vermeintlichen Favoriten fordern kann. Jürgen Ullmann, Freie Presse, 08.02.1993