Spielbericht
20. Spieltag, 05.02.2021
FC Erzgebirge Ae vs. Hamburger SV 3-3

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Erzgebirgsstadion Aue, Freitag 05. Februar 2021
(Kick off 18:30 Uhr)


Aue punktet nach Zwei-Tore-Rückstand


In einem Spiel wo die wenigsten aus dem Fanlager der Lia-Weißen zur Halbzeit noch an was zählbaren dachte und das so schnell nicht vergessen werden wird, holte sich der FC Erzgebirge Aue nach einem Zwei-Tore-Rückstand zur Pause noch einen am Ende hochverdienten Punkt der gefühlt wie ein Sieg gefeiert wurde. "Wir haben in der zweiten Halbzeit eine überragende Moral gezeigt. Wenn du zur Pause gegen so einen Gegner 1-3 hinten liegst, hast du normalerweise keine große Chance mehr. Wir haben es geschafft, das Spiel noch unentschieden zu gestalten", sagte Schuster zur Aufholjagd seines Teams. Einen Zweitore-Rückstand zur Pause noch zu einem positiven Ergebnis zu verwandeln gelang Aue zuletzt im März 2017 vor fast 4 Jahren in Bielefeld (2-2).
Aues Trainer Schuster musste nach der deutlichen 0-3 Niederlage in Fürth auf Innenverteidiger Ballas wegen muskulären Problemen verzichten, er wurde durch Breitkreuz ersetzt. Zudem begann

Hochscheidt für Rizzuto (Bank), Doppeltorschütze beim 3-0 Heimsieg Sieg gegen den HSV in der Vorsaison. Der Spitzeneiter der 2. Liga war vom Start weg die bessere Mannschaft, dominierte nach Belieben und ging entsprechend früh nach 14 Minuten in Führung: Leibold flankte auf den langen Pfosten zu Jatta der den Ball volley zu Terodde weiterleitet. Der aktuell Torschützenbeste der 2. Liga hatte keinerlei Mühe den Ball mit dem Kopf ins Auer Tor zu drücken. Die Volleyabnahme von Jatta wäre so oder so im Netz gelandet. Kurz darauf bediente Torjäger Terodde Heyer mustergültig, dieser verpasste aber das 2-0 und setzte den Ball an den Pfosten (16.). Die Gastgeber wirkten phasenweise überfordert, der HSV brillierte mit tollem Offensivspiel und schönen Ballpassagen. Wenig überraschend erhöhte Kinsombi nach einem Doppelpass mit Kittel auf 0-2 (22.). Es schien ein gebrauchter Tag für die Veilchen zu werden, sie bekamen bis zu diesem Zeitpunkt keinen Fuß auf den Rasen. Doch Fußball ist nicht immer so leicht erklärbar. Hamburgs erste Ecke im Spiel ist der Ausgangspunkt für Aues Anschlusstreffer! Nach Kittels zu niedriger Ausführung und dem klärenden Kopfball von Testroet genau in den Lauf von Hochscheidt sind die Veilchen innerhalb weniger Augenblicke auf der anderen Seite des Feldes. Bemerkenswert der Sprint von Testroet nach der abgewehrten Ecke. Nach Zuspiel von Hochscheidt legt Testroet dann quer an die Strafraumgrenze flach nach innen zu Hochscheidt, der aus 17 Metern mit dem rechten Innenrist präzise in die flache rechte Ecke vollendet. Nur noch 1-2 nach 26 Minuten. Doch dem HSV störte das nur kurz. Denn Terodde haut einen Foulelfmeter zum 1-3 rein (30.). Das 19. Saisontor des Stürmers, der als erster Spieler überhaupt zum vierten Mal Torschützenkönig der 2. Liga werden kann. Nach einem Zweikampf von Fandrich mit Kittel im Auer Strafraum zeigte Schiedsrichter Badstübner auf dem Punkt. Leibold feuert den Abpraller einen Moment später in den rechten Winkel, doch als der Ball einschlägt, ist der Elfmeterpfiff schon ertönt. Danach hatten die Platzbesitzer wenig entgegenzusetzen und mussten aufpassen, dass es keine heftige Packung gibt. Der HSV war viel beweglicher und auch gedanklich immer ein Schritt voraus. Leibold hatte in der 39. Minute eine exzellente Möglichkeit zum 1-4 wo am Ende nur Zentimeter fehlten. Aue versuchte im Rahmen ihrer Möglichkeiten inmer mal wieder vors Tor der Gäste zu kommen aber wirklich echte Tor-Abschlüße waren Fehlanzeige. Bei einem Rückpaß von Krüger traf Testroet (43.) den Ball nicht richtig.

Aus der Kabine kamen die Auer mit dem Glauben das hier noch nichts verloren ist. Schuster hatte umgestellt. Er brachte Bussmann für Breitkreuz und stellte Strauß auf die rechte Abwehrseite. Bussmann, der zu seinem 4. Einsatz im Auer Trikot kam, beackerte die rechte Abwehrseite. Krüger (48.) deutete dann sofort mit einem Schuß über den HSV-Kasten an, das Aue noch nicht ganz den Glauben an den Spielausgang verloren hatte. Danach wahrscheinlich die Schlüsselszene des Spiels. Hunt überlupft aus spitzen Winkel Männel, der mit den Fingerspitzen noch dran ist, doch der Ball geht an den Pfosten und springt zurück zu Männel direkt in seine Arme (49.). Im Gegenzug verlor Jatta den Ball im Mittelfeld, Hochscheidt bediente Fandrich und der schob den Ball in die lange Ecke zum 2-3 Anschlußtreffer. Aue war nun plötzlich voll drin in der Partie, spielte mutiger, intensiver und glaubte plötzlich an sich. Wenig später tankt sich Zolinski in den Strafraum und zieht aus etwa 14 Metern ab. Das Leder rauscht aber übers Tor. Innen wartete Fandrich auf ein Abspiel. Die Gastgeber bekamen von Minute zu Minute immer mehr Oberwasser. Als dann Ambrosius Zolinski auf der rechten Seite mit einer Grätsche zu Fall brachte, ahndet Referee Badstübner dieses Foul mit der ersten Gelben Karte des Abends. Hochscheidt tritt den Freistoß auf den ersten Pfosten wo Bussmann per Kopf an Ulreich scheitert. Der Abpraller springt zu Krüger und der trifft mit einem blind abgesetztem Volleyschuss genau in den linken Winkel. 3-3 nach 61 Minuten. Spätestens ab diesen Moment waren die Auer nicht mehr wiederzuerkennen. Mit sehr viel Elan fighten sie auf einmal voll auf Sieg. Die Hamburger sind dagegen von der beeindruckenden Abgeklärtheit der ersten Halbzeit sehr weit entfernt. Sie haben überhaupt keine Ruhe mehr im Zusammenspiel und schaffen es dementsprechend nur noch selten in die gegnerischen Strafraum. Testroet (75.) wäre fast das 4-3 gelungen, sein Versuch geht nach Doppelpaß mit Hochscheidt nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Auch der eingewechselte Nazarov (80.) probierte sich gleich aus 20 Metern. Ulreich kann den Versuch jedoch problemlos entschärfen. Aue jagt auch in der Schlussphase bis in die gegnerische Hälfte hinein jedem Ball hinterher und gibt den Hamburgern kaum Zeit zum Nachdenken. Sie bemühten sich zwar nach vorne weiterhin, doch Kittel, Terodde & Co blieben im zweiten Durchgang weitestgehend blass. In der Schlussphase passierte nichts mehr. Ein 3-3 gab es in der 2. Bundesliga-Historie von Aue damit zum 5.-mal. (Burg)

Trainerstimmern
Daniel Thioune (HSV): Dieses Ergebnis tut weh, wenn man die erste Halbzeit im Hinterkopf hat. Da haben wir das Spiel, die Bedingungen und den Gegner optimal angenommen, haben Spiel und Gegner dominiert und auch verdient so hoch geführt. Es hat wirklich Spaß gemacht, von außen zuzuschauen. Mit der zweite Hälfte sind wir aber entsprechend unzufrieden, denn wir haben das Spiel komplett abgegeben. Erst hatten wir Pech mit dem Pfostentreffer von Aaron Hunt und haben dann den Gegner durch den unnötigen Ballverlust von Bakery Jatta wieder ins Spiel zurückgeholt. Überhaupt waren die Gegentore extrem ärgerlich. Beim ersten werden wir trotz Führung nach eigenem Eckball ausgekontert, begehen beim zweiten diesen individuellen Fehler und das dritte fällt nach einem Standard. So müssen wir mit dem Unentschieden leben, denn wir konnten unser Tempo nach den anstrengenden Wochen nicht über 90 Minuten halten. Wenn man aber so eine gute erste Halbzeit gespielt hat, dann fühlt sich ein Punkt natürlich nicht zufriedenstellend an.

Dirk Schuster (Aue): Wir haben erst ab der 46. Minute an dem Spiel teilgenommen. Wir hatten in der ersten Halbzeit lauter Probleme, den HSV irgendwo in unserer Hälfte zum Stehen zu kriegen. Der HSV hat ein Auftreten gezeigt, wie es einer Bundesliga-Mannschaft würdig ist. Mit dem 1-3 hat auch ein bisschen der Glaube gefehlt, so dass wir in der Halbzeit etwas ändern mussten und wollten. Das ist uns in der zweiten Halbzeit mit der Systemumstellung gelungen. Wir haben uns von Minute zu Minute besser ins Spiel reingekämpft. So ist das Glas für mich am Ende eher halb voll, da wir eine überragende Moral gezeigt und einen Punkt gewonnen haben. Normalerweise hast du nach einem 1-3 Rückstand zu der Pause gegen so eine Mannschaft keine Chance mehr.

Aue (Lila-Weiß/Lila/Lila): Männel – Breitkreuz (46. Bussmann), Gnjatic, Gonther, Strauß – Zolinski (76. Nazarov), Fandrich, Samson, Hochscheidt (90.+2 Härtel) – Krüger (83. Zulechner), Testroet

HSV: Ulreich – Gyamerah, Jung, Ambrosius, Leibold – Kinsombi, Heyer (81. Narey), Dudziak (42. Hunt) – Jatta (81. Onana), Terodde, Kittel

Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach)

Zuschauer: Keine - Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Tore: 0-1 Terodde (13.), 0-2 Kinsombi (22.), 1-2 Hochscheidt (26.), 1-3 Terodde (30./Foulelfmeter), 2-3 Fandrich (50.), 3-3 Krüger (61.)

Reservebank Aue: Klewin – Baumgart, Jonjic, Majetschak, Rizzuto

Gelbe Karten: Samson (70.) / Ambrosius (60.)