Spielberichte
14. Spieltag, 24.11.2018

2

:

1

Vonovia Ruhrstadion Bochum, Sonnabend 24. November 2018
(Kick off 13:00 Uhr)


Aue verliert möglichen Punkt in der Nachspielzeit


Nach einem 106 Sekunden-Blitzstart der zum 0-1 durch Testroet führte, igelte sich der FC Erzgebirge in Bochum komplett ein und blieb in der restlichen Spielzeit viel zu passiv. Der VfL fand gegen defensivstarke Gäste vor der Pause kein Mittel konnte den Abwehrriegel dann in letzter Sekunde doch noch knacken. Bitter aus Auer Sicht, das der Siegtreffer für Bochum 51 Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit fiel. Die Statistiken belegen das Übergewicht des VfL. Die Bochumer hatten 64 Prozent Ballbesitz, sie schossen 18-mal auf das Tor, flankten 26-mal. In den Bochumer Strafraum segelte gerade einmal eine Flanke, die Veilchen kamen zu keinem Eckstoß und wiesen zudem mit 69 Prozent eine schwache Passquote auf.

Das Spiel begann nach 13 Sekunden fast mit einem Paukenschlag. Vom Anstoß der Gastgeber ging es sofort nach vorn und Männel verhinderte mit einer Glanztat den Blitz-Rückstand gegen den halbrechts völlig frei vor ihm auftauchenden Weilandt. Aues Kapitän stand wieder im Tor nach seinem Kniebeschwerden. Dafür klingelte es alsbald auf der anderen Seite nach einem Lehrbuch-Konter über Hochscheidt und Krüger, der auf dem freien Testroet querlegte. Der Stürmer ließ noch Hoogland ins Leere laufen und schloss überlegt zur Führung ab (2.). Bei Dauerregen und Temperaturen um die null Grad bekamen die Zuschauer in der Folge wenig Erwärmendes zu sehen. Bochum baute gegen tiefgestaffelte Gäste nach etwas Anlaufzeit Druck auf, ernsthaft in Gefahr geriet das Gästetor aber kaum. Bei Tesches Fernschuss bewies Männel gutes Stellungsspiel (9.) - dies blieb die

einzigste echte Torbedrohung vor der Pause, weil sich der VfL immer wieder im Abwehrnetz seiner Vorderleute verstrickte. Zudem verpasste Weilandt eine Eingabe von Hinterseer (15.) ganz knapp und Sam schoß aus 22 Meter über den Kasten (18.). Zwar lief der Ball streckenweise flüssig durch die Reihen der Westfalen. Im letzten Drittel aber machte Aue die Räume ganz eng und behielt aufmerksam den Überblick, auch weil die Dutt-Elf zu oft mit Flanken aus dem Halbfeld oder durchs Zentrum operierte. Daran änderte auch das frühe Ausscheiden von Breitkreuz mit einer Lippenverletzung und eine Neuordnung der FCE-Aabwehrreihe nichts. Wydra kam (22.). Breitkreuz war beim Kopfball mit Bochums Tesche kollidiert (10.). Mit aufgeplatzter Unterlippe versuchte es der Abwehrchef nochmal, wird dann aber mit Verdacht auf Gehirnerschütterung dann gezwungenermaßen vom Feld genommen.

Nach dem Seitenwechsel attackierten die Bochumer wütend. Rapp kann einen Versuch von Sam (47.) erfolgreich zur Ecke abwehren und eine Hooglands-Flanke mutierte zum Torschuss - knapp vorbei (52.). Wenig später zählte Tesches Kopfballtor wegen vorangegangenem Abseits von Hinterseer nicht (53.). Die Gäste überstanden diese Angriffswellen, mit Glück und Geschick können sich jedoch kaum vom Dauerdruck befreien. Dutt brachte Lee für Saglam (57.) und damit noch mehr Druck vorallem über die Außen. Wenig später ließ Hinterseer vom Punkt den fälligen Ausgleich liegen, als er nach Kempes Foul an Weilandt den fälligen Strafstoß an den rechten Pfosten schoss (61.). Männel hatte sich die andere Ecke ausgesucht. Aues Entlastungsversuche waren überschaubar. Als Wydra (67.) sich mal nach vor wagte, geriet sein Zuspiel auf Krüger etwas zu lang. Nach 73 Minuten lag der Ball dann endlich im Netz von Männel. Die Situation scheint eigentlich schon geklärt, doch Bochum setzt sehr gut nach. Der Ball landet in der Mitte bei Lee. Der legt ihn sich mit der Brust an Kalig vorbei und kommt zum Abschluss. Der wird zwar noch von Cacutalua geblockt, aber landet direkt bei Hinterseer. Dem Stürmer verspringt die Kugel eigentlich, doch damit bedient er Weilandt, der aus knapp fünf Metern Männel überwindet und das umjubelte 1-1 erzielt. Der Bochumer Dauerdruck zeigte Wirkung. Zwar mit Hilfe einer Portion Glück aber dies gehört zum Fußball dazu. Natürlich wollte der VfL mehr. Aue, das durch Kempe den einzigen echten Nadelstich in Durchgang zwei setzte (77.) - Riemann mußte sich langmachen, verteidigte mit Mann und Maus. Das Abwehrbollwerk hielt zunächst bei Chancen von Tesche (88.) per Kopf vorbei und Lee (90.+1) Schlenzer aus 17 Meter. Doch in der Nachspielzeit belohnte sich Bochum für seine Wucht: Nach Kopfballvorlage von Ganvoula nahm Weilandt den Ball an und traf per Linksschuss von halbrechts aus elf Metern in den linken Winkel (90.+3). Kempe und Rapp eilten zu spät herbei. Der Jubel der Zuschauer kannte danach logischerweise keine Grenzen. (Burg)

Pressekonferenz in Bochum. Foto: Burg

Trainerstimmen
Daniel Meyer (Aue): „Wir brauchen gar nicht drum herumreden: Bochum hat heute verdient gewonnen. Die erste Halbzeit war aus unserer Sicht noch ok, weil wir gut verteidigt haben. In der Pause haben wir uns entschlossen, das System zu ändern und auf ein 4-1-4-1 zu wechseln, um mehr Breite und Unterstützung auf den Flügeln zu haben. Die zweite Halbzeit war aus unserer Sicht eine klassische Abwehrschlacht. Wir hatten kaum Ballbesitz und sehr wenig Entlastung. Wir hätten fast einen Punkt klauen können, deshalb tut die Niederlage am Ende weh. Doch ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, weil sie sich reingehauen hat.“

Robin Dutt (Bochum): „Schon bei der Vorbereitung auf die Partie waren wir von der Spielanlage von Aue angetan. Im Spiel hatten wir zwar die erste Chance durch Tom Weilandt, doch dann war es Aue, die das Tor erzielt haben – und das war kein Zufallstor, sondern entsprach ihrer Spielanlage. Umso beeindruckender war es, dass wir bis auf wenige Situationen, die restliche Spielzeit – auch spielerisch – beherrscht haben. Es war eine unglaubliche Laufleistung von der Mannschaft heute. Natürlich waren wir immer im Risiko und mussten es auch in Kauf nehmen, dass mal ein Fehler im Abspiel passiert und du in einen Konter läufst. Es waren eins, zwei gefährliche Ansätze da. Doch wir haben nicht gelassen und den Druck aufrechterhalten. Wir haben in der letzten Zeit Punkte in der Nachspielzeit abgegeben, dieses Mal haben wir das Tor gemacht. Alles in allem war es ein sehr gutes Spiel von uns.“

Bochum: Riemann - Celozzi, Gyamerah, Hoogland, Danilo - Losilla, Tesche – Sam (64. Ganvoula), Weilandt, Saglam (57. Lee) – Hinterseer

Aue (Orange/Orange/Orange): Männel - Cacutalua, Breitkreuz (22. Wydra), Rapp – Kempe. Fandrich, Riese, Rizzuto - Hochscheidt - Testroet (46. Kalig), Krüger (79. Iyoha)

Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz)

Zuschauer: 17.012 (davon 370 Auer Fans)

Tore: 0-1 Testroet (2.), 1-1 Weilandt (73.), 2-1 Weilandt (90. +3)

Reservebank Aue: Jendrusch – Baumgart, Nazarov, Herrmann

Gelbe Karten: Hinterseer (42.), Weilandt (82.), Hoogland (85.) / Kempe (25.), Wydra (51.), Fandrich (60.), Riese (75.)

Bes. Vorkommnis: Hinterseer schießt Foulelfmeter an den rechten Pfosten (61.).