Spielberichte
DFB-Pokal 1. Runde, 31.08.2002

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Erzgebirgsstadion Aue, Sonnabend 31. August 2002
(Kick off 14.00 Uhr)


Pokalaus gegen Bochum


Vor toller Kulisse (offiziell 6.500 Zuschauer, darunter nur ca. 150 Bochumer) legten die Auer sofort hochkonzentriert los. Bereits nach nur zwei Minuten spielte Tetzner von rechts auf Broum in die Mitte, der auf Frank Berger zur rechten Außenbahn weiterleitete. Berger lief mit dem Ball bis zur Grundlinie, spielte Mustergültig auf den zwischenzeitlich aufgerückten Broum, welcher ohne Mühe den vielumjubelten Führungstreffer erzielte (3.)! Auch danach spielten die Auer sehr konzentriert, vor allem in der Abwehr. Die Bochumer fanden zunächst kaum Gelegenheit dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, was auch Gästetrainer Peter Neururer nach dem Spiel bemängelte. Bei Auer Fehlern, die sich vereinzelt einschlichen, zeigten der VfL aber stets seine Abgeklärtheit. So blieb Jörg Hahnel, nach einem Schnitzer von Thorsten Görke (spielte als rechter Verteidiger für den verletzten Grund), Sieger gegen Jungnationalspieler (Team 2006) Slawo Freier (17.), während er nur sieben Minuten später Verlierer im Duell mit Delron Buckley war. Zuvor hatte Heidrich im Mittelfeld den Ball verloren und Buckleys Bewacher Görke war einen Moment nicht auf Ballhöhe, so dass dieser allein vor Hahnel zum Zug kam und zum 1:1 durch die Beine des Keepers ausglich (24.).

Die Auer Elf ging weite Wege, allen voran Alexander Tetzner und Frank Berger, es zeichnete sich jedoch schon ab, dass man dieses Tempo nicht über 90 Minuten halten konnte. Der Bundesligist hatte keine großen Mühen, nach dem 1:1. Zunehmende individuelle Fehler in den Reihen des FCE kosteten zu viel Kraft und Nerven. Hinzu kam, dass Schiedsrichter Strampe scheinbar keine gelben Karte eingesteckt hatte und zudem auch über einige Fouls der Ruhrpottelf hinwegsah, während er beim FCE im Gegensatz dazu eher kleinlich pfiff (ein Heimschiedsrichter ist er also ganz sicher nicht!). Brenzlig wurde es in der 37. Spielminute wieder. Diesmal war es Jörg Hahnel selbst, der seinen eigenen Fehler jedoch schnell wiedergutmachen konnte. Dariusz Wosz, der Kapitän des VfL, erschlich sich einen Abschlag von Hahnel und stand damit nur wenige Meter vor diesem, während der Rest der Auer in der Vorwärtsbewegung war. Auch den Nachschuss parierte der Auer Keeper. Während Matthias Heidrich noch einmal große Hoffnungen des Auer Anhangs mit einem gefährlichen Fernschuss weckte, der jedoch übers Tor flog (39.), gelang es den Bochumern zu einem taktisch klugen Zeitpunkt selbst in Führung zu gehen. Wie aus dem nichts standen Hashemian und Freier nahezu unbewacht in gefährlicher Nähe zum Auer Tor. Der Pass von Hashemian zu Freier fand in stark Abseitsverdächtiger Position statt, die Fahne des Assistenten blieb jedoch unten und so konnte Freier zum 1:2 einschieben (42.). Die Fernsehbilder brachten keinen Aufschluss, weckten bei mir jedoch um so mehr den Verdacht, das die anwesenden Fans mit ihren Pfiffen richtig lagen (auch wenn "Aue-Fan" Wilfried Mohren natürlich anderer Meinung war, aber das nur nebenbei).

Nach dem Wechsel hatte Frank Berger nach einer Tetzner-Ecke von rechts noch eine gute Chance per Kopf auszugleichen. Doch dies wussten die Bochumer Hinterleute zu vereiteln (46.). Beim Regionalligisten schien nun das Pulver verschossen. Ohne sich ein Bein auszureißen schaukelten die Bochumer den Sieg nach Hause. Nach einer Ecke von Wosz (der danach gleich Duschen durfte), stand Vahid Hashemian goldrichtig und nickte den Ball ins Netz des FCE-Tors (60.), völlig unbedrängt von seinem Bewacher Jank, der wenig später seinen Platz für Michal Hampel freimachte. Durch die Einwechslung speziell von Hampel und Shubitidze (für Kurth) kam noch einmal ein frischer Wind ins Auer Spiel - unterm Strich aber doch nur noch ein laues Lüftchen, da der Rest der Elf wie stehend k.o. wirkte. Nach dem Kräftezehrenden ersten Hälfte auch wenig überraschend. Das Bochum zu zehn das Spiel beendete viel kaum jemanden auf, das Wechselkontingent war bereits aufgebraucht, während sich Freier eine Verletzung im Adduktorenbereich zuzog und herausgenommen werden musste.

Alles in allem bot der FCE seinen Fans ein tolles Pokalspiel, wenn man daran denkt das zwischen beiden Mannschaften zwei Klassen Unterschied ist (und Bochum derzeit Tabellenführer ist), kann man gehobenen Hauptes vom Platz gehen und mit starkem Selbstbewusstsein die kommenden Aufgaben (Sachsenpokal in Auerbach, danach Babelsberg, Dynamo und der FCK) angehen. Bemerkenswert am Rande des Spiels noch die Pressekonferenz, bei der zunächst viele lobende Worte von Neururer, nicht nur das Spiel betreffend, gesagt wurden. Vor allem die freundliche Begrüßung, sowie der ganze positive Umgang mit dem Pokalgegner kamen zur Sprache. Nicht vergessen möchte ich auch, dass nach Anfrage des FCE (bereits vor dem Spiel) der VfL auf seinen Pflichtanteil der Einnahmen verzichtet und diese "Hochwasseropfern" im Erzgebirge zugute kommen, während der DFB auf eine entsprechende Bitte des FCE nicht reagierte! Auf Nachfrage eines Reporters, welche Höhe denn nun diese "Spende" des VfL haben wird, zeigte FCE-Präsident Leonhard Schwächen beim Kopfrechnen, nachdem er es sich nicht nehmen ließ das Schiedsrichtergespann als "Arrogant" zu bezeichnen, erklärte er wie sich prozentual die Einnahmen des Spiels aufteilen. Doch sollte er als Betriebswirt eigentlich wissen, dass wenn man von 100 % 25 abzieht nicht nur 70 bleiben... (Kay)


Aue: Hahnel - Emmerich - Noveski, Görke - F.Berger (68. Kadow), Heidrich, Kurth (65. Shubitidze), Jendrossek - Jank (65. Hampel), Broum, Tetzner

Bochum: Van Duijnhoven - Colding, Kalla, Fahrenhorst, Meichelbeck - Gudjonsson (70. Dickhaut), Tapalovic - Freier, Wosz (61. Reis) - Hashemian, Buckley (75. Bemben)

Schiedsrichter: Hartmut Strampe (Handorf)

Zuschauer: 6.500

Tore: 1:0 Broum (3.), 1:1 Buckley (24.), 1:2 Freier (42.), 1:3 Hashemian (60.)