Spielberichte
11. Spieltag, 27.10.2012

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Sparkassen Erzgebirgsstadion Aue, Sonnabend 27. Oktober 2012
(Kick off 13.00 Uhr)


Aue im Torrausch – Ein halbes Dutzend gegen Bochum


So etwas hatte man hier im Erzgebirge lange nicht erlebt. Erst kam in der Nacht der Schnee – dann bejubelten die Auer Fans, die es bis zum Stadion schafften, gleich sechs Tore für ihre Mannschaft. Eine Stunde vor Anstoß gab die Platzkommission grünes Licht für das Spiel. Die Platzverhältnisse wie auch der Zustand der Traversen waren aus objektiver Sicht jederzeit akzeptabel. Diese 1-6 Pleite aus Sicht der Gäste bedeutete die höchste Niederlage für den VfL in ihrer Zweitliga-Geschicht. Bochums Sportvorstand Jens Todt konnte es auf der Tribüne nicht mit ansehen: „Wir haben uns abschlachten lassen“. Die Freude im Auer Lager war nach dieser denkwürdigen Partie logischerweise grenzenlos. Aues Kapitän René Klingbeil: „Wahnsinn – sowas habe ich hier noch nicht erlebt. Auf dem Boden war geradliniges Spiel wichtig und das haben wir Super umgesetzt“.

Blick ins Auer Stadion rund 20 Minuten vor dem Anstoß. Foto: Burg

Dabei mußten die 6.500 Zuschauer erst einmal eine Schrecksekunde überstehen. Nickenig soll nach 4 Minuten Dedic im Strafraum umgesenst haben. Der Ex-Dynamo Stürmer knickte aber clever ein und nutze das lange Bein vom Auer Verteidiger eiskalt aus. Die Diskussionen mit Schiedsrichter Grudzinski aus Hamburg waren zwecklos. Der Gefoulte trat selbst an und knallte die Kugel nach einem verzögerten Zwischenschritt an den linken Pfosten (5.). Männel saß da schon auf dem Hosenboden in der anderen Ecke und wehrte den zurückspringenen Ball mit dem Fuß ab. Riesenjubel im Auer Schneegestöber und der Startschuss für wahnsinnige drei Minuten, in denen die Veilchen drei Tore schossen.

Zuerst behielt Müller (7.) nach einer Flanke von Hochscheidt im Gewusel gegen Luthe, Chaftar und Sinkiewicz die Übersicht und stocherte den Ball halb im Sitzen im zweiten Versuch aus kurzer Distanz über die Torlinie. Nur zwei Minuten später folgte der nächste Streich: Diesmal schlug Hochscheidt eine Freistoßflanke von halb-rechts halbhoch vor das Tor, wo König am schnellsten schaltete und seinen rechten Fuß hinhielt. Ein verdutzter Luthe im Bochumer Kasten blieb wie angewurzelt stehen - 2:0. Doch damit nicht genug, denn keine 60 Sekunden später setzte König Hochscheidt gekonnt in Szene, der dann mit dem herausgekommenen Luthe zusammenprallt. Der Ball rollte aber ins leere Tor. Drei Tore innerhalb von unglaublichen 183 Sekunden. Aue unterbot seinen eigenen Rekord vom Aachen Spiel im April 2011 (5-1 Sieg), als man ebenfalls drei Tore in aber 240 Sekunden schaffte. Zu allem Übel für den VfL hatte sich Torwart Luthe, in der Szene die zum 3-0 führte, eine tiefe Risswunde zugezogen und konnte nicht weitermachen. Faire Geste von Aues Keeper Männel der seinen verletzten Kollegen beim Abgang Trost spendete. Sieht man nicht alle Tage. Ersatzkeeper Heerwagen kam nach zwölf Minuten.
Der VfL war geschockt, zumal die Ruhrpott-Kicker mit den Platzverhältnissen überhaupt nicht zu recht kamen. Sie fanden auch keinerlei Einstellung zum seiffigen und glatten Boden. Die widrigen Bedingen waren dagegen für die Auer wie geschaffen. Nach dem 3-0 konnten die Platzbesitzer es ruhiger angehen und ließen die Gäste kommen. Nur bei einem Schuss von Freier (27.) aus 22 Metern musste Aue-Keeper Männel eingreifen, als er den Ball über die Latte lenkte. Ansonsten strahlte Bochum jedoch so gut wie gar keine Torgefahr aus.

Nach dem Pausentee wollten die Bochumer nicht ins offene Messer laufen, wie es deren Trainer Bergmann nach dem Spiel erklärte. Aue machte, bei eigenen Anstoß und nur 14 Sekunden später, mit dem Vorsätzen der Gäste ein jähes Ende. Hochscheidt traf per Flachschuß zum 4-0 ins rechte Eck. Es war übrigens sein Tag. Der Mittelfeldspieler glänzte durch Tore und bereitete auch welche vor. Seine Flanke von der linken Seite verwertete König (49.) zum 5-0. Die Bochumer verfielen in Schockstarre und stellten jegliche Bemühungen ein. So ähnlich erging es aber Aue am 4. Dezember 2011, als sie 0-6 in Bochum untergingen. Paulus erhöhte nach knapp einer Stunde auf 6-0. Er traf vom Elfmeterpunkt, weil Rothenbach Sylvestr umklammerte und ihn nicht mehr losslassen wollte. Danach wurde es grausam für den VfL und ihren mitgreisten Fans. Die Veilchen spielten sich mit dem 6-0 Polster im Rücken in einen regelrechten Rausch. Hensel (62.) und Höfler (63.) scheiterten mit Kopfbällen und der eingewechselte Savran (70.) schiebt das Leder freistehend vor Heerwagen links am Kasten vorbei. Aues Torwart Männel hält sich derweil mit Gymnastik vor seinem Strafraum haltwegs warm. Savran (73.) und Hensel (77.) hatten bei ihren Schußversuchen auch kein Glück. Erst in den letzten zehn Spielminuten läßt die Konzentration der Gastgeber nach und der Japaner Tasaka (83. + 86.) kam zu zwei Schußversuchen. Tasaka bereitete auch den Ehrentreffer vor. Seine Kopfballeingabe drückt Paulus beim Rettungsversuch über die eigene Torlinie (90.).

Trainerstimmen:
Andreas Bergmann (Bochum): "Wir hatten nach dem verschossenen Elfmeter unsagbare drei Minuten und das hilft eine Mannschaft nicht um Selbstvertrauen zu gewinnen. Nach dem fünften Tor war es nur noch ein quälen bis zum Abpfiff“.

Karsten Baumann (Aue): "Wenn der Elfmeter reingeht wäre es ein ekliges Spiel für uns geworden. Aber dann gelangen uns drei Tore. Mich ärgern aber die 20 Minuten nach dem 3-0, als wir nachgelassen haben. In der 2. Halbzeit war der Gegner gebrochen, da läßt es sich leichter spielen. Ein besonderes Lob muss ich Jan Hochscheidt zollen, der eine überragende Leistung geboten hat."

Pressekonferenz in Aue. Foto: Burg











Aue: Männel – Klingbeil, Paulus, Nickenig (66. Rau), Schlitte – F. Müller, Hensel, Höfler, Hochscheidt (76. Schröder) – Sylvestr (61. Savran), König

Bochum: Luthe (13. Heerwagen) – Rothenbach, Eyjólfsson, Sinkiewicz, Chaftar – Kramer – Freier, Goretzka, Rzatkowski (46. Tasaka) – Iashvili (55. Acquistapace), Dedic

Schiedsrichter: Norbert Grudzinski (Hamburg)

Zuschauer: 6.500

Tore: 1-0 F. Müller (7.), 2-0 König (9.), 3-0 Hochscheidt (10.), 4-0 Hochscheidt (46.), 5-0 König (49.), 6-0 Paulus (59.-Foulelfmeter), 6-1 Paulus (90.- ET)

Gelbe Karten: Schlitte (15.) / Acquistapace (59.)

Vorkommnis: Dedic (5.) schießt einen Foulelfmeter (Nickenig an Dedic) an den linken Pfosten. Männel, schon am Boden in der anderen Ecke, wehrt den Ball im sitzen ab.

Reserve Aue: Flauder – Gercaliu, Munteanu, Kocer

Spielstatistik (Quelle: IMPERE)
Ballbesitz: 45% - 55%
Torschüsse: 20 – 11
Ecken: 8 – 4
Flanken: 14 – 7
gewonnene Zweikämpfe: 59,6% - 40,4%
Abseits: 1 - 0

Zuschauer im Erzgebirgsstadion 2012/13


Fr. 3.8. - FC St. Pauli | 12.200
So. 19.8. - E. Frankfurt (Pokal)| 9.575
Mo. 27.8. - 1.FC Köln | 10.050
So. 16.9. - SC Paderborn | 8.000
Mi. 26.9. - 1.FC Union | 7.500
So. 7.10. - Regensburg | 7.400
Sa. 27.10. - VfL Bochum | 6.500
Fr. 9.11. - Braunschweig
So. 25.11. - Hertha BSC
Sa. 1.12. - SV Sandhausen
14.-16.12. - Energie Cottbus
8.-11.2. - FSV Frankfurt
22.-25.2. - VfR Aalen
8.-11.3. - Dynamo Dresden
28.3.-1.4. - TSV 1860
12.-15.4 - Kaiserslautern
26.-29.4. - Duisburg
So. 12.5. - Ingolstadt

Zuschauer Heimbilanz im 6 Jahres Vergleich (nur Punktspiele)


2011/12 – 2. Liga Ø 9.450
2010/11 – 2. Liga Ø 10.260
2009/10 – 3. Liga Ø 8.970
2008/09 – 3. Liga Ø 8.090
2007/08 – 2. Liga Ø 10.610
2006/07 – 2. Liga Ø 11.520