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Auer Fußball Historisch - März 1989 Pokalfieber in Aue

Am 11. März 1989 grassierte in und um Aue das Fußballfieber. Selbst eingefleischte Fans konnten sich nicht genau daran erinnern, wann die Zufahrtsstraßen ins Lößnitztal zum letzten Mal derart verstopft waren. Zwei Stunden vor Spielbeginn – und noch mehr als eine danach –

Das Stadion in Aue beim Pokal Halbfinale im März 1989 war eine Baustelle. Foto: W. Wagner
waren nämlich diese komplett zu. Zuschauerlawinen in Blau-Weiß und Lila-Weiß wälzten sich in Richtung Otto-Grotewohl-Stadion. Zum sechsten Mal nach 1955, 1956, 1959, 1965 und 1975 standen die Wismut Fußballer in einem Halbfinale des FDGB-Pokals. Natürlich wollte man endlich wieder einmal nach fast 30 Jahren ins Finale einziehen. „Es wird keine Stecknadel mehr zu Boden fallen können“, hatte Aues Sektionsleiter Werner Lorenz im Vorfeld prophezeit. Wismut-Trainer Uli Schulze formulierte: „Wir wollen den Heimvorteil nicht aus der Hand geben.“ Auch die Gäste aus dem nur 36 Kilometer entfernten Karl-Marx-Stadt wollten sich nicht verstecken und die Chance auf ihre dritte Finalteilnahme nutzen. Ihr Weg bis ins Halbfinale nach Aue schien mit Blick auf die Gegnerschaft der leichtere gewesen sein. Mit dem BFC Dynamo II (1.R/3-1 n.V.) und Motor Ludwigsfelde (VF/4-1) hatten sie gleich zwei Mannschaften aus der zweitklassigen Liga-Staffel A aus dem Weg geräumt. Dazu in der 2. Hauptrunde den Bezirksligisten (3. Liga) HFC Chemie II (2.R/6-0). Die Härteste Nuss war zweifelsfrei das Achtelfinale im heimischen Stadion gegen Dynamo Dresden. Mit einem 2-1 n.V. rang die Mannschaft von Trainer Hans Meyer den damaligen souveränen Tabellenführer der DDR Oberliga nieder. Damit gelang dem FCK in der Saison 1988/89 das Kunststück den späteren DDR Meister gleich 3 mal zu schlagen.


Aue mußte in den ersten beiden Pokalrunden auch gegen unterklassige Gegner ran. In der 1. Runde ging es zum Bezirkspokalsieger von Thüringen. Mit 2-0 gewann man bei Motor Eisenach. Eine Runde später gelang ein nie gefährdeter 5-0 Sieg beim Liga-Staffel A Vertreter Stahl Eisenhüttenstadt. Im Achtel- und Viertelfinale hatte man mit Cottbus (3-0/h) und dem Finalisten von 1988, Carl-Zeiss Jena zu tun. In einer wahren Regenschlacht konnte man die Zeiss Städter im Lößnitztal mit 3-1 in der Verlängerung niederringen. Im brisanten Lokalderby mußten die 18.000 Zuschauer lange Zeit auf das warten, was im Fußball nun mal das Salz in der Suppe ist. Die Angst, einem Gegentor hinterherzulaufen zu müssen, lähmte erstaunlicheweise vor allem die Gastgeber. Dies

Aues damaliger Trainer Uli Schulze. Foto: Kruczynski
lag vor allem daran, daß nach vorn nicht allzuviel losging. „Wir konnten leider auch diesmal unsere Angriffsprobleme nicht verleugnen“, mußte Trainer Uli Schulze konstatieren. Besonders wurmten ihn die zahlreichen untemperierten Steilpässe aus dem Mittelfeld heraus, die beim besten Willen von keinem zu erlaufen waren. So lief die Angriffsmaschine der Platzherren nur äußerst schwerfällig. Die Gäste schauten sich das Treiben einige Zeit an um sich dann das Zepter an sich zu reissen. Aues Schlußmann Jörg Weißflog rückte dann in den Blickpunkt. Vorerst konnte er aber gefährliche Schüsse von Mehlhorn (11./27.), Richter (17.) und Steinmann (31.) entschärfen. Anfangs der zweiten Hälfte wurden die Hausherren stärker und konnte durch Ralph Vogel zwei Aktionen verbuchen (51./54.). Ein Kopfball, des zu zu den besten Auer Spielern zählenden John Bemme (66.), ging knapp vorbei. Doch dann gingen die Gäste plötzlich in Führung. Richter nutzte eiskalt eine Unachtsamkeit von Andreas Langer zum Führungstreffer aus (69.). Es sollte aber noch schlimmer kommen. Hatte sich Wismut von diesen Schock noch nicht richtig erholt, so holte drei Minuten später Bernhard Konik FCK Stürmer Wienhold von den Beinen. Heidrich zeigte beim fälligen Elfmeter keine Nerven und verwandelte hoch ins linke obere Toreck. Wer jetzt glaubte die Sache schien gelaufen, der irrte. Nach dem schnellen Anschlußtor von Harald Mothes (75.) erlebten die Zuschauer einen Fight auf Biegen und Brechen. Jetzt brannte es im FCK-Strafraum lichterloh und die bis dahin so sichere Deckung der Gäste verlor nun zeitweise die Übersicht. Doch FCK-Torwart Jens Schmidt machte mit Riesenparaden gegen André Köhler (77.), Klaus Bittner (87.) und Harald Mothes (89.) die Auer Ausgleichschancen zunichte. Sogar Torwart „Flocke“ Weißflog stürmte mit nach vorn. Pikant am Rande: Jener Jens Schmidt* war noch von 1986-1988 zweiter Torwart hinter Flocke im BSG-Lager.
Spekulativ war die Frage, die sich nach Spielschluß viele stellten, was passiert wäre hätten die Auer gleich von Beginn an solchen Druck entfacht. Trainer Uli Schulze blieb nach Spielende fair: „Mein Glückwunsch gilt dem Sieger, der uns in der Endkonsequenz in den individuellen Leistungen überlegen war. Uns war bewußt, daß wir gegen den spielstarken FCK kämpferisch alles alles geben mußten, um unsere Chamce zum Einzug ins Finale wahrzunehmen. Ich kann meiner Mannschaft nach diesem aufregenden Spiel keinen Vorwurf machen, sie hat alles versucht und ihre derzeitigen Möglichkeiten voll ausgeschöpft“. Bleibt anzumerken das sich bei aller Begeisterung die Kulisse korrekt verhielt sowie die Tatsache,

Das Stadion platzte aus allen Nähten. Im Hintergrund die überfüllten Ränge beim Eingang zur Gegengeraden C, D, E an der F169. Foto: Kruczynski
daß es auf dem grünen Rasen fair zuging. Damit zog der FCK zum dritten Mal in ein FDGB-Pokalfinale ein, das die Himmelblauen am 1. April 1989 mit 0-1 gegen den BFC Dynamo verloren. Die Berliner fertigten im 2. Halbfinale den FC Rot-Weiß Erfurt mit 6-1 ab. Aue blieb der Trost eines 1-0 Punktspielsieges gegen den FCK sieben Wochen später im heimischen Stadion. (Burg)

Hinweis zum Kartenvorverkauf im Heimspiel zuvor gegen Zwickau. Foto: Archiv Burg
Geschrieben von Burg am 11.03.2019, 20:12   (143x gelesen)