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1968/69 Wismut überrascht alle Kritiker – grosser Zuschauerzuspruch im Lößnitztal

Im November/Dezember 1968 gab es nach Abschluß der Hinserie in der DDR-Oberliga noch zwei Runden im FDGB-Pokal zu absolvieren. Die 14 Mannschaften der Oberliga griffen ab der II. Hauptrunde in dem Wettbewerb ein. Wismut mußte nach Eisleben zur dortigen zweitklassigen Dynamo-Mannschaft. Im Mansfeld am östlichen Harzvorland hatten die

Weikert, Schüßler, Schaller und Zink mehr Mühe als gehofft und lagen nach 34 Minuten schon mit 0-2 hinten. Dieser Rückstand schockte die Wismut Abwehr derart, daß die Gäste erst nach und nach zu ihren gewohnten Spielrhytmus kamen. Drei Minuten vor dem Seitenwechsel verkürzte Klaus Zink zum 1-2 aus Auer Sicht. Obwohl man sich nach der Pause zu steigern wußte, markierte erst mit dem letzten Angriff Abwehrspieler Lothar Spitzner den Ausgleich zum 2-2. In der Verlängerung erzielte Gottfried Eberlein das 3-2 Siegtor in der 116. Minute. Aue zog damit ins Achtelfinale ein.
Dort wartete am 1. Dezember ausgerechnet der nur 36 Kilometer entfernte Rivale in Karl-Marx-Stadt. Und dann auch noch Aues Ex-Trainer Bringfried Müller. Der hatte den FCK nach dem 3. Spieltag ohne einen einzigen Punkt übernommen und die himmelblauen bis zum Halbserien Ende immerhin auf einen 8. Platz mit 13:13 Punkten geführt. Nur ein Punkt hinter Wismut. Ausgerechnet Müller, denn der war im November 1967 von seinen Trainerposten in Aue nach Meinungsverschiedenheiten mit der Vereinsspitze zurückgetreten. Danach übernahm Gerhard Hofmann die Geschicke im Lößnitztal.


Daß dieses Bezirksderby zu einem erlebnisreichen Pokalfight wurde, lag an der Initiative, der taktischen Beweglichkeit und dem Einfallsreichtum beider Kontrahenten. Auf der Fischerwiese triumphierte der FCK vor 15.000 Zuschauern deutlicher, als das jemand zur Pause zu prophezeien gewagt hätte. Die Gastgeber brauchten über eine Stunde, ehe sie den Wiederstand der Gäste gebrochen hatten. Konnte Aues Einsiedel den Führungstreffer von Schuster unmittelbar danach noch mit einer schönen Einzelleistung egalisieren, so schien man nach dem Kopfballtreffer von Göcke zur erneuten Führung kein rechtes Rezept mehr zu finden. Nationalspieler Eberhard Vogel machte dann in der 90. Minute den Deckel zum 3-1 Sieg drauf. Chronisten halber sei kurz erwähnt, daß der FCK im weiteren Pokalverlauf bis ins Finale kam und dort dann im Finale gegen den 1. FC Magdeburg mit 0-4 verlor.

Die Hinrunde in der DDR-Oberligasaison 1968/69 endete schon Anfang November`68. Wismut Aue erzielte am 13. Spieltag ein 1-1 Remis bei Neuling Stahl Riesa und überwinterte mit respektablen 14:12 Punkten auf einem guten 6. Tabellenplatz. Die inoffizielle Halbzeitmeisterschaft sicherte sich der FC Vorwärts Berlin hauchdünn mit nur einem Tor Vorsprung gegenüber dem FC Hansa

Programm vom Auer Rückrundenstart am 15. Februar 1969 in Erfurt. Mit einem 2:0-Sieg (Tore: Bernd Bartsch und Klaus Zink) entführte Wismut in jener Saison als einzige Mannschaft beide Punkte aus dem Georgi-Dimitroff-Stadion. Quelle: Archiv Schwarzer
Rostock. In dieser ersten Halbserie zählte die Mannschaft von Wismut durchaus zu den positiven Überraschungen. Denn nach dem Weggang von Friedrich-Wilhelm Göcke und Karl-Heinz Zeidler zum „Nachbarn“ FC Karl-Marx-Stadt ging schon einiges an spielerischer Substanz verloren und die Stimmung im Lößnitztal war vor der Saison auf dem Tiefpunkt. Zuguterletzt wurden die Lila-Weißen als ganz heißer Abstiegskandidat gehandelt. In der Fachzeitschrift Fuwo (Fußballwoche) war zu lesen, das die Wismut-Mannschaft vor ihrer schwersten Oberliga-Saison überhaupt stünden. Dies ließ den treuen Wismut Anhang schon das schlimmste befürchten. Doch es kam anders. Erstaunlich war zu diesen Zeitpunkt daß die Auer einen Punktspielhälfte hinlegten, in der sie fast ausnahmslos auch spielerisch zu überzeugen vermochten. Das war besonders gegen Mannschaften offensichtlich, die im Otto-Grotewohl-Stadion mit einer defensiven Einstellung antraten. Hier ist wohl die Ursache dafür zu suchen, daß Wismut auch in Auswärtsspielen gute Kritiken erhielt. Erstmals nach Jahren erfreuten sich die Anhänger nach der ersten Meisterschafthälfte wieder an einen vorderen Tabellenplatz und einem positiven Punkt- und Torverhältnisses. Dabei begann die Saison aus Auer Sicht fast schon sensationell. Am 3. Spieltag war Wismut nach drei Siegen Tabellenführer! Dem 1-0 Auftaktsieg zuhause gegen Erfurt, ließ die Mannschaft vom 41-jährigen Trainer Gerhard Hofmann einen 3-2 Auswärtssieg beim Bezirksrivalen in Karl-Marx-Stadt folgen. Eine Woche später vor 18.000 Zuschauern im heimischen Stadion sorgte ein 1-0 Sieg gegen Chemie Leipzig für den Ersten Platz in der Tabelle. Das Tor des Tages besorgte Ernst Ensiedel per Kopf kurz vor der Halbzeitpause. Es war sogar das „Spiel des Tages“, denn Chemie hatte vor dem Anpfiff ebenfalls 2 Siege auf ihren Konto. Beim Abpfiff wurden beide „Sensationsstarter“ mit Beifall vom Publikum geradezu überschüttet. Tempo, Wucht, Kampfgeist, Energie, pausenloser Sturm und Drang, das war die Devise der beiden Mannschaften. Wismut vor der Pause und Chemie dann danach. Die dramatische Szenerie der vorletzten Spielminute aber gestalteten beide zu einen ungewöhnlichen Höhepunkt dieses Spitzenspiels. Aues Oldie Keeper Klaus Thiele hielt einen Handstrafstoß nervenstrak gegen Chemie Kapitän Manfred Walter. Keine Frage die Stimmung im Rund kochte da über.
Der weitere Saisonverlauf verlief beeindruckend für Aue, auch weil sich die Mannschaft in einer hohen physischen Verfassung befand und die Spiele mit einer offensiven Grundeinstellung anging. Ohne Verletzungen und Sperren spielte man konstant durch. Dabei kam man mit nur 15 Spielern überhaupt aus. Gleich sieben Spieler (Zink, Weikert, Kaufmann, Pohl, Einsiedel, Schaller und Eberlein) absolvierten alle 26 Punktspiele am Stück. Dietmar Pohl und Neuzugang Manfred Weikert, beide Abwehr, fehlten dabei nicht eine einzige Minute. Einen

Volle Ränge zur Begegnung zwischen Wismut Aue und Sachsenring Zwickau (0:0) im November 1968 im Otto-Grotewohl-Stadion. Die 20.000 Zuschauer bedeuteten die zweithöchste Kulisse in der Saison 1968/69. Die Szene zeigt den Auer Stürmer Ernst Einsiedel, der in der Meisterschaft sieben Tore erzielte, im Zweikampf mit Alfons Babik, der übrigens 1971 zu den Veilchen wechselte. Foto: Kruczynski
zweiten Frühling erlebte Stürmer Klaus Zink. Der damals 32-jährige spielte überzeugend auf und erzielte 15 Tore in den Punktspielen. In zwei Heimspielen (gegen Jena und Rostock) gelangen Zink jeweils drei Tore! Nur Gerd Kostmann von Hansa Rostock übertraf ihn in der Torschützenrangliste und schoß in der Spielzeit 1968/69 drei Tore mehr als der Auer. Am Ende wurde man zwar nur neunter mit einem positiven Torverhältnis von 33-31, weil eine 0-1 Heimniederlage am letzten Spieltag gegen Stahl Riesa den Sprung auf Platz 5 verhinderte. Mit diesen Sieg sicherte sich überraschend Riesa die Klasse, während mit Union der Pokalsieger des Vorjahres und mit Lok Leipzig eine der Spitzenmannschaften der letzten fünf Jahre abstiegen.
Die Fans im Lößnitztal honorierten die Leistungen der Auer Mannschaft überraschend gut. Der Zuschauer Heim Durchschnitt von 12.462 war der dritthöchste Zuspruch in der Auer Vereinsgeschichte bis heute. Nur in den Spielzeiten 1981/82 und 2004/05 wurde dieser gering überboten. (Burg)

Geschrieben von Burg am 06.12.2018, 19:52   (133x gelesen)