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Aue Historisch - November 1958 Europapokalflair im Lößnitztal

Im November 1958 hetzten die Mannen von Wismut-Trainer Gerhard Hofmann von Spiel zu Spiel. Vom 2.11. bis 30.11.1958 mußten sie in der Oberliga, Europapokal und im FDGB-Pokal gleich siebenmal antreten. Auch wenn der Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigt werden konnte und am Ende "nur" der 4. Tabellenpaltz heraussprang, zollte man in der Oberligaserie 1958 dem SC Wismut nochmal viel Lob. Überall fand Anerkennung, daß sich die Elf in entscheidenden Stunden trotzdem bravorös

zusammenriß. Die Mannschaft überzeugte durch die guten Leistungen in den Europapokalrunden und stellte viele Spieler für die Auswahlvertretungen ab. In den Meisterschaftsspielen fehlte es dann oft an Kraft, bedingt durch die großen Reisestrapazen, manchmal auch an Konzentration. Nur ein Auswärtssieg in den Ligaspielen (3-1 bei Turbine Erfurt) konnte diesmal erreicht werden. Die Punktspiele fanden im Spieljahr 1958 zwischen dem ersten Märzsonntag und dem letzten Novembersonntag statt. Mit grossen Erwartungen nahmen die meisten der 14 Oberligavertretungen den Kampf auf. Doch am Ende konnte man nur mir den Leistungen der drei Mannschaften ASK Vorwärts Berlin, SC Motor Jena und SC Wismut Karl-Marx-Stadt zufrieden sein. Nachdem die Armee-Fußballer von Vorwärts Berlin in der letzten Saison vergebens versucht hatten, die erfolgreiche Titelverteidigung der Wismut-Kumpel aus dem Lößnitztal zu stoppen, gelang ihnen diesmal der Titelgewinn. Am 9. November 1958 war es soweit. Im Spitzenspiel machte der Sitzenreiter ASK gegen den Tabellenzweiten aus Jena wenig Federlesen mit den Thüringern. Das überaus klare wie verdiente 4-0 machte den Klassenunterschied nur zu deutlich und der Titelgewinn zwei Spieltage vor dem Saisonende definitiv. Sie zeigten die ausgeglichensten Leistungen, waren athletisch am besten durchgebildet und vor allem in technischer Hinsicht den anderen Teams um einiges voraus. Darüber hinaus gab es zum ersten Mal einen Meister aus der oberen geographischen Hälfte der DDR. Bis 1957 kam jeder Meister aus den südlichen Bezirken der DDR. Für Vorwärts war es der erste von sechs Meistertiteln und der Beginn einer bis 1970 anhaltenden Erfolgsära.


Der enthronte Titelverteidiger SC Wismut gratulierte seinem verdienten Nachfolger telegrafisch. Denn just an diesen 9. November gastierte Wismut zum EC Achtelfinal-Hinspiel in Göteborg. Gegen den schwedischen Meister IFK boten die Wismut Fußballer eine Glanzleistung. Nach einem schnellen 0-2 Rückstand durch Tore von Owe Ohlsson (5.) und Lennart Andersson (31.) wurde in der Halbzeitpause in der Kabine bei den Gästen

kein Blatt vor dem Mund genommen und jedem die Meinung gegeigt. Die an diesen Tage mental starken Wismut-Kicker gingen nun über die berühmte Schmerzgrenze und schafften binnen fünf Minuten durch Tore von Jürgen Seifert (61./25m Distanzschuß) sowie Klaus Zink (67.) den Ausgleich der zugleich der Endstand bedeutete. Interessant zur heutigen Zeit ist die Tatsache das das Hinspiel an einem Sonntag! stattfand. Damals gab es im Europapokal nur die Bestimmung, dass bis zu einem bestimmten Termin die beiden Spiele absolviert sein mussten. Die Mannschaften einigten sich dann auf die Termine selbst, ohne UEFA.

Das Rückspiel fand dann schon am Wochenende (Samstag 15. November) darauf im Auer Otto-Grotewohl-Stadion statt. 25.000 euphorisierte Fans füllten das Oval im Lößnitztal. Die Anzahl der Kibietze zwischen der Straße nach Lößnitz und der Bahnlinie nach Chemnitz oberhalb der Gegengeraden sowie am Hang schräg oberhalb der überdachten Tribüne ging sicherlich auch in die Tausende. Wie schon in Göteborg gab es in Aue einen nassen und tückischen glatten Rasen. Trotzdem fand die ausgezeichnete Leistung von Wismut sechs Tage

zuvor noch eine Steigerung. Wismut operierte diesmal taktisch klüger und gerissener. Während in Göteborg das überbrücken des Mittelfeldes zuviel Zeit beanspruchte, geschah das diesmal blitzschnell aus der Tiefe und dann auch über die Breite des Raumes. Das Flügelspiel wurde weitaus mehr bevorzugt, von hier wurde die gegnerische Deckung aufgerissen, wie auch die Tore beweisen. Diese dauernden Konterschläge zermürbten die IFK-Deckung, sie wußte ihnen bald nicht mehr zu begegnen. Trotzdem muß man festhalten das der IFK auch in Aue seine Klasse demonstrierte. Die Schweden mußten wie der SC Wismut (gegen den rumänischen Meister Petrolul Ploiesti) in der EC Vorrunde gleich dreimal ran. Gegen den Luxemburgischen Meister Jeunesse Esch mußte ein 3. Spiel (5-1 für IFK) über den Einzug ins Achtelfinale entscheiden.

Auch die neue Meistermannschaft vom ASK Vorwärts verfolgte dieses Spiel in Aue mit grossen Interesse. So konnten sie hautnah einen Eindruck erleben was ihnen dann im nächsten Jahr im Europapokal erwarten sollte. Mit sechs Punkten Vorsprung vor Motor Jena in der 58`Meisterschaft gingen die Berliner durchs Ziel, einen so grossen Vorsprung konnte bis dato kein anderer Titelträger vorweisen. Acht Punkte waren es vor Brieske

Senftenberg und gar zehn vor dem Vorjahresmeister SC Wismut, der nach einer fast indiskutablen Hinserie (nur auf einen 9. Platz) am Ende noch auf einen versöhnlichen 4. Platz in der Endplatzierung einkam. Zuhause im Lößnitztal ging nur das Spiel gegen den Meister ASK verloren. Von den neun Heimsiegen endeten gleich acht zu Null. Zu den 13 Oberliga-Heimspielen kamen rund 69.300 Zuschauer in der Summe was einen Durchschnitt von nur 5.331 pro Spiel ausmachte. Dies war der drittschlechteste Heimzuspruch von Aue in der DDR-Oberliga Ära. (Burg)

Szene aus dem Hinspiel. Manfred Kaiser (rechts) versucht einen schwedischen Angriff abzuwehren. 13.978 Zuschauer waren im Ullevi Stadion von Göteborg gegen den IFK. Das Stadion wurde zur Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden eingeweiht. Hier fand u.a. auch das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Schweden (1-3) statt, außerdem das Spiel um den dritten Platz zwischen Frankreich und Deutschland (6-3). Foto: Archiv
Geschrieben von Burg am 23.11.2018, 12:04   (33x gelesen)