Vor 50 Jahren mußte Wismut Aue ausgerechnet am 2. Weihnachtsfeiertag 1967 nach Jena ins Ernst-Abbe-Sportfeld reisen. Ab 13.30 Uhr spielte die Elf von Trainer Gerhard Hofmann dort gegen den damaligen Zweitligisten aus der DDR Liga-Süd den FC Carl-Zeiss Jena II. Mit einem 4-2 Sieg vor 2.000 Zuschauern zog die Wismut Mannschaft ins Achtelfinale ein. Die 14 DDR-Oberligisten der Saison 1967/68 griffen erst in der II. Hauptrunde, die zwei Tage nach Heiligabend ausgetragen wurde, in das Pokalgeschehen ein. Dort waren noch fünf Bezirkspokalsieger dabei, bis auf Empor
![]() Freie Presse vom 27. Dezember 1967. Quelle: Burg Archiv |
Neustrelitz alles Reservemannschaften der Oberligavertreter. Der Bezirkspokalsieger aus Gera, der FC Carl-Zeiss Jena II gleichzeitig auch Aufsteiger aus der drittklassigen Bezirksliga Gera, hatte in der 1. Hauptrunde den Absteiger aus der Oberliga 1967, die BSG Wismut Gera, mit einem 2-0 Sieg aus dem FDGB-Pokal rausgeworfen. Jena II konnte das Spiel gegen die Veilchen eine Halbzeit offen gestalten. Zweimal konnte man einen Rückstand (Tore von Aue Schaller sowie ein ET von Jena) jeweils egalisieren. Im zweiten Durchgang rückten Lothar Killermann (74.) mit einem verwandelten Handstrafstoß und Ernst Einsiedel (82.) die Verhältnisse für den Oberligisten wieder gerade. Im Jenenser Tor stand damals kein geringerer als der 24-jährige Hans-Ulrich Grapenthin, der es dann später bis 1985 auf 412 Pflichtspiele für die Erste Mannschaft von Carl-Zeiss Jena schaffte.
Im Pokalgeschehen dabei war auch bis zum Aussscheiden in der II. Hauptrunde am 26.12. die Zweite Mannschaft von Wismut Aue. Erst vier Minuten vor Schluß mußte man sich mit 0-1 zu Hause gegen den Oberligisten 1. FC Lok Leipzig geschlagen geben. Zweimal zuvor sorgte man als drittklassiger Bezirkspokalsieger für Furore und eliminierte gleich mit Motor Wema Plauen (3-0) und Aktivist Karl-Marx Zwickau (1-0) zwei höherklassige Vertreter aus der Liga-Süd.
Drei Tage vor dem Pokalspiel in Jena beendete die DDR-Oberliga mit der 13. Spielrunde die Hinserie. Aue mußte am Vortag des Heiligabends zum starken
Aufsteiger 1. FC Magdeburg reisen. Nachdem der Knoten bei Wismut Aue gerissen war und in den letzten drei Spielen zuvor gleich elf Tore erzielt wurden, traute man der Elf zu, auch beim 1. FC Magdeburg den förmlich sensationell anmutenden Leistungsanstieg erneut unter Beweis zu stellen. Doch der Viertplatzierter 1. FCM gewann knapp durch ein Tor von Jürgen Sparwasser in der 88. Minute mit 1-0. Aue überwinterte als Tabellenzehnter. Dabei war man am 9. Spieltag der Saison nach einer 1-2-Heimniederlage gegen Vorwärts Berlin auf den letzten Oberliga-Tabellenplatz zurückgefallen. Daraufhin wurde der bisherige Trainer Bringfried Müller durch Gerhard Hofmann ersetzt. Unter seiner Leitung startete die BSG Wismut mit drei Siegen gegen Dynamo Dresden (2-0/h), 1. FC Union (5-0/a) und Chemie Leipzig (4-0/h) hintereinander zu einen ungeahnten Höhenflug. Hofmann stabilisierte die Abwehr (nach 9 Spielen schon 22 Gegentore) und brachte neuen Schwung in die Mannschaft. Er war in Aue kein
Unbekannter. Schon einmal, im September 1958, übernahm der bisher im höherklassigen DDR-Fußball unbekannte damals 31-jährige Hofmann das Training der Oberligamannschaft in Aue. Es gelang ihm, die Mannschaft zum Saisonende 1958 noch auf den vierten Platz zu führen. In der folgenden Spielzeit 1959 verhalf er dem SC Wismut zu seiner dritten Meisterschaft. Außerdem wurde die Mannschaft im Pokal Zweiter und drang im Europapokal der Landesmeister 1958/59 bis ins Viertelfinale vor. Im Sommer 1960 wurde er nach dem 13. Spieltag, obwohl seine Mannschaft auf Platz vier der Oberligatabelle lag, von Manfred Fuchs abgelöst. Bei seiner zweiten Auer Ära blieb er bis zum Ende der Saison 1970/71.
Bei Wismut hielten sich Licht und Schatten in der Rückrunde 1967/68 die Waage in der man bis zum Schluß in den Abstiegskampf verwickelt war. Am 17. Spieltag fiel man nach einer 0-1 Heimniederlage ausgerechnet gegen den Tabellenletzten Sachsenring Zwickau wieder ein mal auf den letzten Platz zurück. „Wir spielten einfach zu schlecht und ohne die notwendige Überlegung wie die Serien von hohen aber ungefährlichen Flanken vor das Tor von Croy im ersten Abschnitt zeigten“, kritisierte Aues Trainer Gerhard Hofmann schonungslos. In der zweiten Halbzeit ging der innere Zusammenhalt mit fortschreitender Spieldauer fast völlig verloren. Eine Woche später konnte Trainer Hofmann aber wieder strahlen. Mit 2-0 gewannen seine Veilchen beim 1. FC Lok Leipzig. Die Tore markierten Klaus Zink (2.) und Ernst Einsiedel (52.). Für Lok war es die erste Heimpleite in der Saison. Aue sprang zwei Plätze hoch auf den 12. Rang. Nach dem Pokalaus beim Ligavertreter Vorwärts Stralsund (2-3 n.V) und dem völlig verdienten 1-0 Heimsieg drei Tage später gegen den Bezirksrivalen FC Karl-Marx-Stadt fand man sich auf einen 7. Platz in der Tabelle wieder. Doch die folgende vierwöchige! Punktspielpause Aufgrund der beiden Olympia-Qualifikationsspiele DDR gegen Bulgarien war für den Punktspiel Rhythmus Gift. Im April 1968 gab es somit nur einen Spieltag und da verlor Aue in Stendal mit 1-2. Es folgte ein torloses Remis zu Hause gegen Erfurt und eine 0-3 Niederlage in Berlin beim FC Vorwärts. Dann ging es am 23. Spieltag nach Dresden zu Dynamo. Beide punktgleich (je 18-24), Dynamo auf den 9. Platz und Aue war 11. Vor 22.000 Zuschauern erlebten die Gastgeber gegen eine ehrgeizige und außerordentlich konzentriert zu Werke gehende Wismut Elf ein